Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Liebe und Gerechtigkeit in den Begriffen Gott und Mensch
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 26)
- Language
- German
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100 Kraft und Schwung verleihen könnte: wenn sie nur das vorübergehende täuschende Wohlbehagen des sinnlichen Wechsels zum flüchtigen Ausdruck bringt. Die reine Freude erhöht, erweitert und befestigt das Individuum in der beständigen Correlation mit dem Nächsten. Die griechische Sprache hat daher Ein Wort für gehässig und neidisch (eTO<p9־ovoc)־ Und die positive Form des Neides ist die Schadenfreude. Unter den möglichen Anklagen, die Hiob gegen sich ausdenkt, fehlt nicht, und nicht im packenden Zusammenhang die schwere Frage: ״Hätte ich mich gefreut über das Verderben meines Hassers und frohlockt, wenn ihn Unglück traf. Doch nicht gestattete ich meinem Gaumen zu sündigen, zu fordern durch Fluch sein Leben" (Hiob 31,29 f). Hier heißt der Feind richtig und genau, der mich haßt, und das Wort für frohlocken, jauchzen, macht den Gegensatz schroff gegen den Kleinmuth und den niedrigen Sinn, dem allein Schadenffeude enffteigen kann. Schlichter spricht der Spruchdichter den Gedanken aus: ״Wenn dein Feind fällt, so freue dich nicht, und wenn er strauchelt, frohlocke nicht dein Herz" (Spr. 24,17). Das Fallen, der Unfall ist das natürlichste, sinnlichste Zeichen für das menschliche Unglück. Das Straucheln, das Schwachwerden und Wanken deutet aber schon auf die sittliche Schwäche und Hinfälligkeit hin. Ueber beide Formen des Unglücks, das den Feind trifft, wird die Freude, die Schadenffeude untersagt. Der sittliche Begriff der Freude wird durch Neid und Schadenfreude aufgehoben. Der sittliche Affekt der Freude, die Tugend der Freude wird vernichtet durch die Lust am Unglück dessen, auf dem die Sünde lastet, mich zu hassen. Das Verbot des Neides und der Schadenfreude, die beide der negative und der positive Ausdruck desselben Ungesühls sind, ist die erste Bedeutung der Feindesliebe. 2) Kann die Feindesliebe bedeuten, daß ich gegen denjenigen, der mich haßt, kein Rachegefühl in mir auskommen lasse. Die erste Reihe der großen sittlichen Gedanken, die durch das ״Heilig sollt Ihr sein" eingeleitet werden, enthält bei ihrem Abschluß durch das Gebot der Nächstenliebe im Vorderglied desselben Verses das Verbot: ״Räche dich nicht und trage nicht nach" (3. B. M. 19,18). Der Talmud erklärt den Unterschied beider Ausdrücke. Rache bedeutet: Du