Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Liebe und Gerechtigkeit in den Begriffen Gott und Mensch
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 23)
- Language
- German
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97 fassung des Glaubens, als der eigenen sittlichen Arbeit der Rechtfertigung, unauflöslich doch mit, sei es der Person, fei es der Idee des Sohnes, als des Mittlers, verbunden. In idealster Auffassung bedeutet der Mittler zwar die Selbst- Vermittlung der Sittlichkeit. Immer aber bin ich für die sittliche Ausgabe zum mindesten an dieses Symbol, an diesen geschichtlichen Beistand, an diese sittliche Kraft gewiesen und gebunden; und die strengeren Auffassungen der kirchlichen Lehrbegriffe lassen den Anhänger einer freien menschlicher: Sittlichkeit durchaus im Sttch. Die Erlösung bleibt in jedem Falle durch die Vermittlung bedingt. Ohne Erlösung aber keine Seligkeit. Ein Antheil am ewigen Leben, der nicht durch den Glauben wenigstens an die Idee Christi vermittelt Wäre, kann nach keinem Lehrbegriff und keiner geschichtlichen Auffassung des Christenthums zugestanden werden. Somit ist der Begriff des Menschen, sofern er religiös durch den Begriff der Seligkeit definirt ist, auf den Glauben an die christliche Gottesidee determinirt. Es verdient Beachtung, daß gerade bei Johannes diese Schwierigkeit zu ihrem prägnanten Ausdruck gelangt: der doch den Begriff der Liebe, als Verbindung von Gott und Mensch, zu einem ebenso tiefsinnigen als ergreifenden Ausdruck bringt. ״Wer nicht lieb hat, der kennt Gott nicht, denn Gott ist die Liebe. Niemand hat Gott jemals gesehen. So wir uns untereinander lieben, so bleibet Gott in uns, und seine Liebe ist völlig in uns" (1. Joh. 4,8,12). Gottes Liebe erlangt also chre Vollendung in unserer Menschenliebe. Gott ist die Liebe. Liebe ist sein Wesen. Und dieses sein Wesen machen wir zum unsrigen, indem wir sein Wesen ausüben. Weit tiefer als in allem Erkennen wird durch diese Liebe das Wesen Gottes mit dem des Menschen vereinigt. Aber die Schwierigkeit bleibt bestehen. ״Darin stehet die Liebe, nicht daß wir Gott geliebet haben, sondern daß er uns geliebet hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden" (V. 10). Diese Vermittlung bleibt also doch bestehen. Und die Liebe des Menschen allein verbindet nicht mit Gott. Auch dadurch wird uns dieser Widerspruch nicht aufgehoben, daß durch den Gott-Menschen der ^Unterschied in 7