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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 89

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Liebe und Gerechtigkeit in den Begriffen Gott und Mensch
Date
1900-01-01
Page
Seite 89 (sequence 16)
Language
German
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90 klärung kommt es auch nicht mehr an. Der Fremdling hat jetzt andere Genossen, die noch deutlicher auf die Gleichheit pochen. Wir werden sie in einem späteren Kapitel kennen lernen (vgl. S. 115). Die erste, die wichtigste Hilfe, die der Fremdling zu leisten hatte, hat der Entdeckung des Menschen gegolten. . Der Mensch war noch nicht da. Und auch bei den Griechen ist er niemals zu Tage getreten, obwohl er in dem Gastfreund-Fremdling aufdämmerte. Der Fremdling- Beisaß hat den Begriff des Menschen zur Entdeckung gebracht. Indessen war die Entdeckung des Menschen nicht an den politischen Begriff des Fremdling-Beisaß, noch auch nur an den immerhin zweideutigen Begriff des Nächsten überantwortet. Die eigentlichen Wunder der Kulturgeschichte werden selten als solche erkannt, vielleicht auch gerade deshalb, weil sie des Glaubens liebste Kinder bleiben sollen. Wie der Gedanke des Monotheismus Gestalt gewinnen konnte, das wird trotz aller Vermittlung, die die künftige Forschung darbieten wird, dennoch nicht minder ein psychologisches Wunder bleiben. Und so wird auch die Entdeckung des Menschen, als eines Gliedes der Menschheit, ein Wunder bleiben. Denn alle Vermittlungen des Gedankens nehmen für sich wieder an diesem Wunder Theil. Die wichtigste Vermittlung bildet die Idee des Messi as. Auch ihre Bedeutung darf allgemein als nicht bekannt vorausgesetzt werden. Daß die Christus-Idee zur Verdunkelung der Messias-Idee beigetragen haben könne, wird als bloße Möglichkeit wenigstens zugestanden werden. Immerhin ist es als ein Verdienst der Kathederwissenschast protestantischer Theologie anzuerkennen, daß der Aberglaube von dem Partikularismus der Propheten zu schwinden begonnen hat, und daß der Universalismus ihrer Gottesidee und ihres menschheitlichen Bewußtseins endlich anerkannt wird. Das größte und klarste Verdienst ist in dieser fundamentalen Frage A. Kuenen, weiland Professor in Leyden, zuzuerkennen?) *) Vgl. Volksreligion und Weltreligion. Fünf Hibbert-Vorlesungen. 1883.

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