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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 80

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Liebe und Gerechtigkeit in den Begriffen Gott und Mensch
Date
1900-01-01
Page
Seite 80 (sequence 7)
Language
German
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81 lautet: ״Erkännte ich ihn, so wäre ich Er" (אם ידעתיו הייתיו)*). Aehnlich könnte man sagen: Behielten seine Eigenschaften die Spur von Affekten, so wäre Er ich. Und doch liegt die tieffte Schwierigkeit für den Begriff der Attribute nicht in der Gefahr ihrer Bedeutung als Affekte; sondern gerade in demjenigen Begriffe, der sie von den Affekten unterscheiden soll: in dem Begriffe der Tugend. Die Erörterung und die Lösung dieser Schwierigkeit soll unsere Darlegung der fundamentalen ethischen Attribute der Liebe und der Gerechtigkeit leiten. 2. Das Attribut der Liebe. Joseph Albo, Schüler des von Spinoza mehrfach eitirten Chasdai Creseas und Theilnehmer an der Disputation von Tortosa 1412, setzt in seinem Buche über die Glaubens- Fundamente (Jkkarim) mit dem Glücksspiel einer Zahlensymbolik die Liebe gleich mit der Einheit. Die beiden hebräischen Worte für Liebe und für Einzig haben den gleichen Zahlenwerth dreizehn. Hat etwa dieser Zahlenwerth die dreizehn Eigenschaften zu verantworten? Oder sind sie nach den dreizehn Jnterpretationsregeln des R. Jsmael gebildet worden? Wie dem auch sei, die Liebe bildet ihren Inbegriff, ihre Einheit. Sie alle sind nur Abwandlungen des Motivs der Liebe. Ist doch die Liebe auch der natürliche, gleichsam eingeborene, der eigentlich menschliche Trieb und Sinn. Er führt die Menschen zur Familie zusammen. Aus der Horde macht die Liebe den Stamm und das Volk. Sie entwurzelt also die Hemmung der Sittlichkeit, die in der Vereinzelung liegt. Sie schafft und nährt die menschliche Gemeinschaft. Und nicht allein für die Familie und den Staat enthält und verleiht sie die natürliche Bedingung; sondern nicht minder auch für die relativen Gemeinschaften, die sich innerhalb der geschlosseneren Zusammenhänge der Familie und des Volkes knüpfen lassen. Die Liebe sucht und entdeckt den Freund und hegt die Freundschaft. In dieser Richtung *) vgl. Kaufmann, Geschichte der Attributenlehre (S. 326). 6

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