Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 77

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Liebe und Gerechtigkeit in den Begriffen Gott und Mensch
Date
1900-01-01
Page
Seite 77 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111072-3113000--0730-3113097
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

78 Schwierigkeiten, daß sie der logischen Unmöglichkeit zu widersprechen schien. Und so sah man sich gezwungen, die Logik, wenngleich nicht über Gott, so doch über seine Eigenschaft der Allmacht zum Herrn zu setzen. Auch verwickelte die Allmacht in die verhängnißvollen Fragen des Pantheismus. Und in einem Vers des Sehir ha-Jichud wird der Allvermögende (כל יפיל) als der Allbefassende besungen (כוללם יהי). So wird das All, anstatt lediglich das Objekt des Willens und der Macht Gottes zu bleiben, mit dem Inhalt seines Wesens gleich gedacht: er macht das All, d. h. er bildet selbst das All; es macht sein Wesen aus, ohnehin steckt der Pantheismus dem strengen Begriffe der Einheit im Blute. Und nun gar das Attribut der Einheit selbst. Ist doch die Einheit eine Zahl, also ein Attribut der Dinge, also ein Correlat der Mehrheit. So mußte also die Einheit von der Eins, von der Zahl geschieden werden, damit in der Einheit der Unterschied von den Dingen, von der Materie zur Bestimmung gelangen, und in diesem Unterschiede von der Materie das Wesen Gottes als Geist zur Entdeckung gebracht werden konnte. Aber der Geist mahnt wieder an die menschliche Erkenntniß, an ihre Quelle und ihre Bürgschaff. Und vom Geiste führt zwar kein kleiner Schritt, aber ein unaufhaltsamer Uebergang zur. Idee. Hat doch Maimonides das Leben selbst nicht als ein nothwendiges Attribut Gottes anerkannt. So ist es nur zu sehr verständlich, daß man bei den Eigenschaften Gottes vor den metaphysischen Attributen Halt machte, und bei den ethischen stehen blieb. Diese ethisirende Tendenz in der Attributenlehre des Maimonides wird vollständig klar und einleuchtend, bei seiner Behandlung der sogenannten ״dreizehn Eigenschaften" (Middoth). Sie sind in den Worten der Offenbarung bei den zweiten Gesetzestafeln enthalten: ״Herr, Herr! Gott, barmherzig und gnädig, langmüthig und groß an Liebe und Treue. Er bewahrt die Liebe bis ins tausendste Geschlecht. Er vergiebt das Vergehen, die Missethat und die Sünde. Und läßt nicht ungestraft". Es ist überhaupt eine interessante Frage, wie diese Formulirung im Talmud entstehen konnte. Die Eigenschaften werden als dreizehn bezeichnet. Aber, bei

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.