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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 76

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Liebe und Gerechtigkeit in den Begriffen Gott und Mensch
Date
1900-01-01
Page
Seite 76 (sequence 3)
Language
German
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77 an. Die Wirkungen setzt er gleich mit den Wegen Gottes; und nur die Wege Gottes, nicht sein Wesen, zu erkennen läßt er als Pflicht der Gotteserkenntniß gelten. Die Wege Gottes sind seine Wirkungen. Diese erstrecken sich freilich auch auf die Natur. Aber nach einem tiefsinnigen Worte: ״vor der Erschaffung der Welt war Gott und sein Name allein", (Pirke R. Elieser, K. 3) läßt er nur den Einen Gottesnamen gelten, der nicht erst auf die Schöpfung sich gründet und durch die Schöpfung bezeugt ist. Freilich gehört zur Natur auch die Menschenwelt. Aber da es ohnehin der Tendenz des Maimonides entspricht, so darf man vielleicht in dieser seiner Einschränkung der Gotteserkenntniß aus die Erkenntniß seiner Wege eine ähnliche Tendenz erkennen, wie sie unter soviel anderen Voraussetzungen und Bedingungen Kant verfolgt hat in seiner Kritik der Gottesbeweise. Wie nämlich das Mittelalter die Attributenlehre als hauptsächliches Problem behandelt, so ist die neuere Zeit von dem Interesse an den Beweisen für das Dasein Gottes ergriffen. Man darf vielleicht sagen, daß Kant dieses Interesse an den Beweisen erledigt hat, indem er die Gottesidee aus der allgemeinen Metaphysik herausnahm und zu einem ausschließlichen Problem der Ethik machte. Diese Tendenz der Ethisirung der Gottesidee läßt sich auch bei Maimonides erkennen. Wie Kant gegen die Beweise, so eifert Maimonides gegen die Attribute. Und wie Kant nur einen ethikotheologischen Beweis gelten läßt, so Maimonides nur die Attribute der Wirkungen. Die Wege Gottes bezeichnen sein Verfahren mit den Menschen. Sie sind also die Normen der Sittlichkeit. Zur Bevorzugung der ethischen Attribute mochte nicht wenig auch der Umstand beitragen, daß die allgemeinen, sogenannten metaphysischen Attribute den Keim des Widerspruchs in sich trugen. Die Allwissenheit forderte von Anfang an den Widerspruch der Freiheit des Willens heraus. Im ganzen Mittelalter wurde die Freiheit durch den theologischen Conflikt mit der Allwissenheit in ähnlicher Weise als der Grundbegriff der Ethik zum Problem gemacht, wie in neuerer Zeit durch den Conflikt mit dem Naturgesetz der Kausalität. Die Allmacht wurde schon dadurch zu einem Nest von

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