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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 70

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Wohlthätigkeit im talmudischen Zeitalter
Date
1900-01-01
Page
Seite 70 (sequence 11)
Language
German
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71 Im ganzen scheint es, als ob diese altweltlichen Rabbinen bei der Feststellung des Gesetzes in dem Geiste jenes Rabbi*) bei Robert Browning zu Werke gingen, von dem es heißt: „O lasset uns nicht immer klagen: Der Fleischeslust muß man entsagen. Ich strebte, widerstand, im Kampf den Boden mir gewann. Wie der Vogel sich schwinge und singe, Laßt uns rufen: alle guten Dinge Sind für uns; es hilft die Seele mehr nicht unserm Fleisch, Als dies der Seele helfen kann." In richtiger Werthschätzung der Güter dieser Welt, mit hohem Gerechtigkeitssinn waren sie bestrebt, die rechte Mitte zu halten, und in diesem Sinne sind im Talmud die biblischen Vorschriften für die Mildthätigkeit, die sich im Almosengeben äußert, für Zedaka ausgelegt, welche, wie oben erwähnt, als eine Art Klassenunterscheidung betrachtet werden muß. Aber für die Wohlthätigkeit, welche allen zur Pflicht gemacht wurde, und von dem Armen ebenso leicht zu erfüllen war als von dem Reichen, wählt der Talmud das andere Synonym Chesed, und, indem er daraus das Wort G-emilutii-chesed münzt, welches etwa „Bethätigung der Liebe" zu übersetzen wäre, arbeitet er ein ergänzendes und sociales System von Wohlthun aus, ein System, das sich nicht auf „Rechte", sondern auf Mitgefühl gründet, das sich nicht nur in Spenden äußert, sondern in Thaten der Freundschaft, der Genossenschaft, das mehr eine Hingebung der Persönlichkeit, als eine Abgabe von den Gütern verlangt. Höher als Zedaka, schreiben die Rabbinen, steht Gemiluth-Cliesed und rechtfertigen wie gewöhnlich ihren Ausspruch durch einen Hinweis auf die Heilige Schrift. „Säet für Gerechtigkeit" (Zedaka), sagt der Prophet Hosea (Hos. 12), „erntet für Liebe (okesed); und insoweit Ernten besser ist als Säen, muß Liebe besser sein als Gerechtigkeit". — „Kranke zu besuchen", „in uneinigen Familien Frieden zu stiften", „allen Menschen, Juden oder Nichtjuden, in Trübsal y Angeblich Jbn Esra.

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