Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die Episode des jüdischen Hellenismus in der nachexilischen Entwickelung des Judenthums
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 18)
- Language
- German
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59 unbedingt sicher zu stellen. Nach dem sogenannten Kriege des Quietus unter Trajan seit 116, trat ein völliger Umschlag, der Ansichten über den Hellenismus ein. Hatten die früheren palästinischen Lehrer die griechische Sprache als das allein brauchbare Werkzeug für die Uebersetzung der Thora bezeichnet (Jeruscb. 1, 1) und in der griechischen Bibel die Erfüllung des Wortes gesehen, daß Jafet wohnen solle in den Zelten des Sem (Megilla 9), hatte man auch aus die griechische Bibel die göttliche Inspiration ausgedehnt (Philo de vita Mosis II, 7 M. II, 140), so sagte man jetzt, daß der Tag, an dem die Bibel ins Griechische übersetzt wurde, für Israel so verhängnisvoll gewesen sei, wie der der Anbetung des goldenen Kalbes (Sofer. 1). Bei der Anfertigung dieser Uebersetzung sei wie zu den Zeiten des Pharao eine dreitägige Finsternis über das Land Aegypten gekommen (Thaanit 50 b). Man setzte zur Sühne für dieses Vergehen einen jährlichen Festtag auf den 8. des Monats Thebet (Dez.) an (ib.) — Ja man ging noch weiter. Nicht blos die griechische Bibel, auch die griechische Sprache und Literatur sollte gänzlich aus Israel ausgerottet werden. Niemand, so wurde nach dem Tituskrieg verordnet, soll seinen Sohn das Griechische lernen lassen (Sota 9, 14). In Baba qama 82 b u. a. Stellen heißt es: ״verflucht ist der Mann, welcher seinem Sohn griechische Weisheit beibringt". B׳. Israel, darüber befragt, ob man nicht wenigstens eine Stunde täglich dem Griechischen widmen dürfe, erwiderte, da in der Schrift stehe: ״Das Buch des Gesetzes soll nicht von Deinem Munde weichen und Du sollst darüber nachdenken Tag und Nacht," so dürfe man für die griechische Literatur nur eine solche Stunde wählen, die weder in den Tag noch in die Nacht falle (Menacli. 99). Damit war innerhalb des Judentums für den Hellenismus das Todesurteil gesprochen. Die Aufnahme der griechischen Weltbildung bereicherte das Judentum, aber es brachte ihm auch große Gefahren. Die allegoristische Umdeutung des Gesetzes beraubte dieses seines selbständigen Wertes. Es galt nur als Träger höherer Wahrheit etwas und wenn Philo diese Konsequenz auch nicht zog (vgl. m. Philo, S. 157 f.), logisch war sie nicht abzuweisen und andere wie Elisa ben Abuja zogen sie thatsächlich und gaben