Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die Episode des jüdischen Hellenismus in der nachexilischen Entwickelung des Judenthums
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 19)
- Language
- German
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- Isaiah 1× ep/1005097
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60 die Beobachtung der jüdischen Gebräuche als etwas Ueberflüssiges auf. Anfänglich hatte ja der Nachweis der Vernunftmäßigkeit des Gesetzes, den die alexandrinischen Philosophen führten, für die Juden viel Verlockendes, aber es war doch sehr bedenklich, wenn der Wert des Gesetzes von diesem Nachweise abhängig gemacht wurde. Auch brauchte man ja den allegorischen Beweis gar nicht. Das Gesetz beruhte auf der göttlichen Offenbarung. Von der Thora galt die Regel: ״wende sie und wende sie, alles ist darin". Sie bedarf keiner Stützen, sie ist selbst der Inbegriff aller Wahrheit. Die große Klarheit im Begreifen des eigenen Wesens und der unerschütterliche Wille, dieses und nur dieses unter allen Umständen zu behaupten und sich vor allen Dingen durch nichts imponieren zu lassen: in diesen Eigenschaften, die bekanntlich den Deutschen in hervorragendem Maße fehlen, liegt die Erklärung der großen weltgeschichtlichen Erfolge des Judentums und der Vergeblichkeit jedes antisemitischen Ansturms gegen dasselbe.*) An idealistischen Träumen der Weltbeglückung hat dasselbe niemals gelitten und ist durch dergleichen in seiner Ruhe nicht gestört worden. In seiner Religion lagen die Keime, aus dem eine Weltreligion hätte hervorsprießen können. Unter seinen großen Propheten hat Jesaja vorübergehend diesen Träumen nachgehangen (vgl. Jes. 49, 6 56, 1—7), doch auch bei ihm sollten die Heiden nur einen sekundären Anteil am Heiligtum haben. Und die nachexilische Entwickelung schied derartige prophetische Protuberanzen bald für immer aus. Man wollte gar keine Religion für alle Welt haben. Der eigene Gott war allerdings der Herr des Himmels und der Erde; offenbart aber hatte er sich nur seinem Volke, sein Gesetz hatte er nur diesem gegeben. Er war Weltengott, seine Religion war aber nur für die Juden. Ob das richtig oder gut ist, haben wir hier nicht zu entscheiden. Wir stellen hier nur die religiöse Anschauung fest, an der der jüdische Hellenismus gescheitert ist und scheitern mußte. — *) Daß unsere Anschauung von diesen Fragen eine wesentlich andere ist als die hier vorgetragene, bedarf wohl nicht erst besonderer Erwähnung. ' Die Redaktion.