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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 57

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Die Episode des jüdischen Hellenismus in der nachexilischen Entwickelung des Judenthums
Date
1900-01-01
Page
Seite 57 (sequence 17)
Language
German
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58 ihn die stoische Allegoristik bot. Es schien ihm eine glänzende Laufbahn sich zu eröffnen. Es lockte die Aussicht nicht blos eine Judenreligion zu bleiben, sondern eine Weltreligion zu werden. Aber die Sophisten des Wortsinns, wie Philo sie nennt (de vita Mosis III, 27 M. U, 168, de somn. I, 16 k.), hatten ihren guten Grund, wenn sie die Augenbrauen bedenklich in die Höhe zogen bei Betrachtung dieser πάτριος φιλοσοφία, welche aus Allem Alles zu machen verstand. Man hatte im heiligen Lande einen Kampf der Verzweiflung gekämpft, man hatte namenlose Leiden erduldet, um die Thora zu stabileren als einen roober de bronze. Was wurde denn aus diesem Felsen bei der allegorischen Exegese, die wie ein glänzendes Feuerwerk eine Zeit lang die Augen erfreute uud mit ihrem bezaubernden Anblick ergötzte, um dann wie mit einem Knalleffekt zu verpuffen und den Hörer oder Leser im Finstern zu lassen? Auch für hervorragende palästinische Lehrer ward die Allegoristik zu einem-^ardes, einem Zaubergarten, aus dem nicht alle ungeschädigt wieder herauskamen. Vier, heißt es in Chagiga 14, gingen in den?ardes: ״einer schaute und starb" (Simon ben Assai, der nach seinen theosophischen Spekulationen vom Tode dahin gerafft wurde, weshalb man diesen als Strafe für jene ansah), „einer schaute und ward wirre" (Simon ben Soma, der zur Behauptung zweier Weltursachen: des brütenden Gotteshauches Gen. 1, 2 und der Wasser, auf die er sich herabließ, gelangte), „einer zerstörte die Pflanzung" (Elisa ben Abuja, genannt Acher, der zwei selbständige Mächte in Gott lehrte und rücksichtslos die Konsequenz der Allegoristik zog, nach welcher die äußerliche Befolgung der Gesetze überflüssig sei, da diese nur Symbole höherer Wahrheiten seien). — Nur „einer ging im Frieden in den Pardes hinein und im Frieden wieder aus ihm heraus". Das war der große Rabbi Akiba, den nach der Agadda Mose selbst über sich stellte, der das kunstvollste Gewebe der Halacha über die Thora warf, der glorreiche Märtyrer, der mit dem Adonei echäd auf den Lippen starb. Nach anderen Quellen (Sanh. 38) wird aber selbst von ihm ein wenn auch vorübergehendes Schwanken in der Lehre von der Gotteseinheit vermeldet. Solchen Erfahrungen gegenüber beschlossen die palästinischen Lehrer das Palladium der Thora

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