Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die Episode des jüdischen Hellenismus in der nachexilischen Entwickelung des Judenthums
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 16)
- Language
- German
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57 trifft auf dieser höchsten Stufe der Held der ασκησις zusammen mit dem Helden der μα&ησις. — Am höchsten steht aber die Methode der freien Entfaltung der sittlichen Genialität (ή ευφυΐα), deren Vertreter Jsaak ist. Hier ist die Tugend nicht die mühevolle Frucht des Lernens oder das Ergebnis schwerer Kämpfe und Uebungen, das nach mannigfachen Rückfällen und Niederlagen endlich erreicht wird. Hier ist sie die von selbst am Baume reifende Frucht. Die glückliche ethische Naturanlage macht Lernen und Kämpfen überflüssig. Das ethische Genie weiß und fühlt immer richtig, wann und was es zu handeln gilt. Vom rechten Wege weicht es keinen Finger breit ab. Am reinsten kommt dieser Typus in Jsaak zum Ausdruck. Er ist τέλειος έξ αρχής und wird deshalb schon vor seiner Geburt gelobt leg. alleg. III, 28 Μ. I, 104. Die ׳ Vollkommenheit hastet seiner Natur aner ist der aυτήκοος rm αυτοπαθής τρόπος de ebr. 23 Μ. I, 371 und ist daher auch in einer beständig steudigen Seelenstimmung, wie dies fein Name γέλως leg. alleg. ΙΠ, 28 Μ. 1,104 ausdrückt. — Auch im Talmud wird Jsaak bisweilen am höchsten gestellt unter den Erzvätern (vgl. Sabbath 89 b), wo er als der einzige gefeiert wird, der sich des Volkes Israel annimmt, während Abraham und Israel nach Jes. 63, 16 nichts von diesem wissen wollen. Es ist erklärlich, daß die christlichen Kirchenlehrer eifriger beflissen waren das Gedächtnis und die Schriften des Philo zu erhalten als die Synagoge. Die asketische Richtung, welche in den ersten Jahrhunderten innerhalb der Kirche überwog, konnte keine glänzendere Empfehlung finden, als sie Philo's Werke boten. Wohl kennt das Judentum auch Fasten und Selbstkasteiung, aber sie sind bei ihm kein ethisches Erziehungsmittel, sondern sollen prinzipiell nur das göttliche Mitleid mit dem sich Peinigenden erregen und Gott veranlassen seine Strafen aufzuheben oder doch zu mildern (1. K. 21, 27 ff., Jes. 58, 5). Im morgenländischen und römischen Christentum war die Askese ethisches Erziehungsmittel, wie sie es auch bei Philo, ganz unjüdischer Weise, gewesen war. — Auch sonst war die philonische Episode glänzend, aber sie war für das Judentum gefährlich. Das Judentum trat bei Philo im Panzer der damaligen Wissenfchaftlichkeit auf, wie