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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 52

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Die Episode des jüdischen Hellenismus in der nachexilischen Entwickelung des Judenthums
Date
1900-01-01
Page
Seite 52 (sequence 12)
Language
German
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53 Wie aus dem Gesagten hervorgeht ist nicht Gott, sondern der Logos der eigentliche Weltbildner. Entgegenstehende gelegentliche Aeußerungen über Gottes Mitwirkung an der Schöpfung sind als nicht dem System entsprechend hier auszuscheiden. -— Von den geschaffenen Wesen hat für Philo eigentlich nur der Mensch Interesse. Die Tiere dienen dem Philo nur als Symbole für gewisse Funktionen des menschlichen Geisteslebens. An und für sich hat ihr Dasein keinen Wert und keine Bedeutung. — Als Naturwesen kann der Mensch innerhalb der vorhandenen Welt des Leibes nicht entbehren. Der Leib bedarf zu seiner Erhaltung der Nahrung, welche ihm Philo deshalb als etwas Unentbehrliches gewährt. Letzteres aber nur so weit als es unbedingt nötig ist. Philo ist kein Freund von den Freuden des Lebens. Die leiblichen Dinge gelten als unvermeidliche Uebel, welche der irdischen Natur des Menschen nun einmal anhaften. Auch das geistige Wesen des Menschen hat eine Richtung, welche dem Sinnlichen zugewendet ist. Die αισθησις, welche wieder die 5 Sinne zu Dienerinnen ihres Wirkens hat. Sie vertritt aber nur die niedere Seite des menschlichen Seelenlebens. Die höheren Dingen zugewandte Seite unseres Wesens ist der νους, der sich als Urteilskraft (το διζαστήριον τής φυγής de migr. Abr. 39 Μ. I, 471) als Erinnerung oder Geoächtnis und als sprachbildendes Vermögen (λόγος) äußert. Wichtiger ist die sittliche Entwickelung des Menschen, welche Philo wieder ganz platonisch schildert. Im vorzeitlichen Zustande waren die Seelen leib los, geschlechtslos, wie sich dies auch in der Bibel ausprägt, da der Mensch als nach dem Bilde Gottes gebildet dargestellt wird leg. alleg I, 12 M. 2,149. Der νους des Menschen war in diesem vorzeitlichen Zustande vollkommen (τέλειος), in die Mitte des Paradieses d. h. aller Tugenden hineingepflanzt. Aus diesem leiblosen Zustande sanken die Seelen herab in die Schranken der Leiblichkeit, welche der eigentliche Sitz der Sünde ist. Sobald die Seele eine Verbindung mit dem Leibe eingegangen ist, entwickelt sich die «Τσθησις, die Sinnlichkeit, die Philo überwiegend als etwas Schädliches ansieht. Die Erregungen der αισ&ησις sind die πσ&η die Affekte, die daraus hervorgehenden Begierden sind die ipovai, die Lüste. Beide treten

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