Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 17)
- Language
- German
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38 Aufflackern des jüdischen Volksgeistes, die Begeisterung, mit der ein Held wie Rabbi Akiba die Befreiung feines Volkes zu erringen suchte, die mächtige Kraft, mit der der Sternensohn den Kampf gegen die übermüthigen Unterjocher aufnimmt, alle diese historischen Thatsachen sind mit der großen Kraft des Dichters wiedergegeben, der mit Recht zu den Meistern seiner Zeit gerechnet wird. Ein feinsinniger Poet, Graf Boos-Waldeck, hat uns dieses Werk in vorzüglicher Uebertraguug zugänglich gemacht. Ein anderer wenig bekannter und erst in letzter Zeit gewürdigter Poet S. A. Weiß hat nach seinem Tode eine litterarische Auserfftehung erlebt. Der Reiz seiner Gedichte wird so bald nicht schwinden. Man hört das Hämmern der Seele, der leidenden tief verwundeten Seele, man kann die Musik seiner Empfindungen belauschen, wie alles ringt und hinauf strebt und sich zu erhabenen Gestalten und schönen Bildern formt. Weiß besitzt ein großes, phantasievolles und die Sprache meisterhaft beherrschendes Talent. In der Erzählungslitteratur ist an erster Stelle ein neuer Band der Novellen aus dem englischen Ghetto zu nennen, das Israel Zangwill souverain beherrscht. Die Erzählungen aus dem jüdischen Leben von M. Lehmann, die sich einen großen Leserkreis erworben haben, erscheinen in einer Volksausgabe, und von den Skizzen Sach er- Masochs „Aus dem jüdischen Leben" erschien soeben die dritte Auflage. Ebenso erschien von den Schilderungen, die Karl Emil Franzos aus Halbasien gegeben, eine neue Auslage, sowohl von den Juden von Barnow, deren Ruhm ja in unserer belletristischen Litteratur fest steht, als auch von der Erzählung i Moschko von Parma, die eine Perle unserer Litteratur ist. In der Zeit der Entstehung des Christenthums, welche jetzt mit besonderer Vorliebe geschildert wird, . spielen der Roman von Emmerich von G atti: „Der König der Juden" und das historische Schauspiel von Berberich: Die Zerstörung Jerusalem. Zwei biblische Schauspiele von E. Simeon: „David als König und als Krieger" werden Wohl nie das Licht der Bühne erblicken. Eine' ansprechende Gabe, die namentlich zu Festaufführungen sich eignet ist die dramatische Skizze von A. Mottek: „Israels Sendung". Aus dem modernen Leben geschöpft und in derber Holzschnitt-Manier