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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Litterarische Jahresrevue
Date
1900-01-01
Page
Seite 36 (sequence 16)
Language
German
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37 Gebiete Theodor Nöldeke in seinem Essay über die semitischen Sprachen, der in neuer Bearbeitung erschienen ist. Das große Lexikon von Gesenius, herausgegeben von Buhl, hat wieder eine neue Auflage erlebt. Das Wörterbuch von Jastrow schreitet wacker vorwärts. Eine Chrestomathie von I. Tawjew fördert ebenfalls das Studium der hebräischen Sprache und ein Leitfaden von B. Manassewitsch will gar die Kunst, die hebräische Sprache durch Selbstunterricht „schnell und leicht" zu erlernen, in weite Kreise tragen. Eine Grammatik des Aramäischen als „Muttersprache Jesu" rührt von Martin Schulze her. Es ist gut, daß letzterer Umstand hie und da noch besonders betont wird. Denn Chamberlain in seinem großen Werke über die geistigen Strömungen des 19. Jahrhunderts — und mit ihm viele Andere, die auf denselben niedrigen Standpunkt sich gestellt — suchen ihren Lesern einzureden, daß die alberne Hypothese, Christus sei gar kein Semit, sondern ein Arier gewesen, schon wissenschaftlich festgestellt sei. Wohlthuend heben sich von diesem Bilde die Darstellungen ab, die Theobald Ziegler und Ludwig Büchner in ihren Werken über das geistige Leben des ablaufenden Jahrhunderts von den Bestrebungen der Juden geben. Wir gelangen nun in das Gebiet der Erzählungslitteratur, welches am Ende doch das interessanteste ist und bleibt, nach dem schönen Wort von Goethe: „Dem Einzelnen bleibt die Freiheit, sich mit dem zu beschäftigen, was ihn anzieht, was ihm Freude macht, was ihm nützlich däucht; aber das eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch". Unsere Betrachtung wendet sich zunächst einer Dichtung zu, die weit über das Berichtsjahr hinaus dauernden Werth in der Geschichte unserer Poesie behalten wird. Es ist das Meisterwerk des böhmischen Dichters Jaroslaw Vrchlicky „Bar Kochba". In jungen Jahren, in idealen Jünglingsträumen trug der Dichter sich schon mit dem Gedanken, eine große Epopöe der Menschheit zu schreiben, in der der Geschichte des sagenumsponnenen Helden ein Platz eingeräumt werden sollte. Dieser große Plan wurde leider nicht zur Wirklichkeit, aber Bar Kochba hat nichts desto weniger seine Auferstehung in dem Gedichte des Meisters gefeiert. Das letzte

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