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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 34

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Litterarische Jahresrevue
Date
1900-01-01
Page
Seite 34 (sequence 14)
Language
German
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35 Gebiet der Tagesfragen gehören die beiden vortrefflich geschriebenen Abhandlungen von Gustav Levinstein über die Judentaufen und verschiedene kleine Brochüren, ein Buch von Bernhard Cohn über jüdisch-politische Zeitstagen, die hie und da Zustimmung, meistens aber entschiedenen Widerspruch gefunden. Eine Schrift von A. Singer: Paris, Braunschweig, Arad will den Gährungsprozeß der jüdischen Reform während dieses Jahrhunderts darstellen. Sie ist aber sehr stark polemisch gehalten. Die englische Uebersetzung der berühmten „Neunzehn Briefe" Samson Raphael Hirsches durch H. Drachmann hat in Amerika viele Leser gefunden. Am meisten blüht die Polemik über die sog. Judenstage noch in Frankreich. Ein sehr ruhiges und unbefangenes Urtheil hat Guy-Valvor, ein bekannter katholischer Dichter, in seiner Schrift: Les israelites et le judaisme en occident abgegeben; würdig schließt sich dem der Essay von Prof. Tschitscherin über die polnische und jüdische Frage an, der auch in deutscher Uebersetzung erschienen ist. Mit der ökonomischen Frage der Juden in Rußland beschäftigt sich das neueste Werk des bekannten Nationalökonom Chmerkine: „Ueber den Nothstand in Rußland", während eine Schrift von Louis Durieu das jüdische Proletariat in Algier aus eigener Kenntniß schildert; die zionistische Bewegung im Hinblick auf den Antisemitismus bespricht Alfred Bert in geistreicher Weise; auch die fünf Vorlesungen von I. Ho gart über die Judenstage werden nicht verfehlen, viele Vorurtheile zu beseitigen. Eines der schlimmsten dieser Vorurtheile ist das gegen das Schächten. Die Schrift von Friedrich Weichmann über das rituelle Schächten beiden Juden erbringt an der Hand einer großen Anzahl von Gutachten den Nachweis, daß die Agitation der Antisemiten wie der Schutzvereine gegen das Schächten als solches ungerechtfertigt sei, und daß der anders als im Wesen des Geistes geführte Kampf gegen religiöse Gebräuche keine Aussicht auf Erfolg habe. Mit dem Schächten als solchem vom rituellen Standpunkt befaßt sich ebenfalls das einschlägige Werk von Beck-Gronemann. Es ist ein gutes Zeichen, daß unsere Prediger der Erörterung von Tagesstagen auf der Kanzel nicht mehr so scheu aus dem Wege gehen als stüher. Leider können wir 3*

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