Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 3)
- Language
- German
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24 habt, das Verständniß und durch dieses die Liebe zur jüdischen Geschichte und Litteratur empfangen haben wird, dann erst wird eine gedeihliche Entwickelung stattfinden können und das Interesse so weit geweckt sein, daß man Bücher, die in diese Litteratur einschlagen, lesen und auch — kaufen wird. Bis dahin muß die literarische Industrie sehen, wie sie sich mit dem gegebenen Material und den nun einmal nicht zu ändernden Verhältnissen abfindet. Es erschließen sich ihr ja auch in unserer Zeit so viele neue Wege, daß man sich eigentlich darüber wundern muß, wie wenig der praktische Geist, den man unserem Stamme nachrühmt, sich auf diesem Gebiete mit Erfolg bethäügt hat. Auf den gebahnten Straßen der nothwendigsten Bedürfnisse geht der jüdische Buchhandel noch immer seinen gemessenen, ruhigen Gang. Diese Bedürfnisse erstrecken sich aber nur auf Talit, Tefillin, Mesusoth, einen Lulaw und Esrog — und den üblichen Luach. Mehr verlangt man von einem jüdischen Buchhändler nicht. Nun, so suche der jüdische Buchhändler selbst, sich ein Publikum zu erziehen. Mit Muth und Thatkraft mache er den Versuch, in das Volk einzudringen und dort das bereits erwachte Interesse auszunutzen. Der Kolportage-Vertrieb hat gegenwärtig eine so außerordentliche Ausdehnung erreicht, daß es fast unbegreiflich erscheint, warum der jüdische Buchhändler diesen Weg bisher noch nicht eingeschlagen hat. Wenn es auch nicht immer wohlfeile Litteratur ist, die hier vertrieben wird, so ist sie doch für das Publikum bequem zahlbar, da sie sich nur in kleinen Raten merklich macht, während die theuren Preise, die naturgemäß für Bücher angesetzt werden müssen, die sich nur an einen kleinen Leserkreis wenden, das kauflustige Publitrm von selbst abschrecken. Dem Buchhandel würde eine ganz neue Klasse von Interessenten und Käufern gewonnen werden, die sonst garnicht daran denken, ein derartiges Buch ihrer Bibliothek einzuverleiben. Ja, der Buchhandel würde nach unserer Meinung gerade dadurch eine ganz andere Physiognomie erhalten. Und eine solche thut ihm wahrhaftig noch in unserer Zeit. Thatsächlich liegen die Dinge so, daß fast jeder jüdische Buchhändler, der den kühnen Versuch gemacht hat, einen jüdischen Verlag zu begründen, dabei einen großen Theil