Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5659
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 6)
- Language
- German
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10 und Trennung erscheint ihm als wahres Ziel alles Unterrichtes und zumal aller Erziehung. Herr Dr. Bosse hat nunmehr seinen Abschied erhalten und ist durch Exzellenz Studt ersetzt. Auch dieser wird als ein dem Judenthum freundlich gegenüberstehender, aber dabei streng confessioneller Mann geschildert — eine wesentliche Aenderung des bisher eingeschlagenen Kurses ist also in Preußen nicht zu erwarten. So erscheint als das augenblicklich einzig zu erreichende Ziel die Einführung und würdige Gestaltung des jüdischen Religionsunterrichtes an allen preußischen Schulen, wo sich eine genügende Anzahl israelitischer Kinder befindet. Hieraus wird zunächst der Deutsch-Israelitische Gemeindebund seine Bemühungen zu richten haben. In vielen deutschen Staaten und zumal in deren größtem, Preußen, fehlt den Juden die organisatorische Einheit, die den christlichen Kirchen gegeben ist, und deren gerade unsere itt so kleine Gemeinden zersplitterte Glaubensgenossenschaft mit meisten bedürfte. Der Gemeindebund sucht diesen Mangel nach Möglichkeit abzuhelfen durch Herstellung von Provinzial- und Bezirksverbänden, die ihm auch in fast allen altpreußischen Provinzen geglückt ist, eben weil sie als eine Nothwendigkeit empfunden wird, besonders auf dem Gebiete des Religionstmterrichtes und zur Gewinnnug tüchtiger Kultusbeamten für kleinere Gemeinden. Der im Oktober 1898 tagende erste Verbandstag hatte sich hier mit wichtigen und einschneidenden Fragen zu beschäftigen. Der lebhafte Antheil, den glücklicher Weise die deutschen Israeliten in immer größerem Umfange an den Angelegenheiten ihrer Religionsgemeinschaft nehmen, spricht sich auch in dem steten Anwachsen der Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur aus. Ihre Zahl hat die Hundert längst überschritten, und auch hier macht sich in erfreulichem Maße das Bedürfniß einer inneren Organisation, des Zusammenschließens der Schwachen zu gegenseitiger Förderung geltend. In Westfalen und dem Regierungsbezirke Posen haben sich vier Verbände jüdischer Litteraturvereine gebildet, die wohl bald weitere Nachahmung finden werden. Bei Gelegenheit der Gründung des hundertsten Vereins