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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 7

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Rückblick auf das Jahr 5659
Date
1900-01-01
Page
Seite 7 (sequence 4)
Language
German
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8 führen ist, ba% kann an dieser Stelle nicht dargelegt werden. Nur die eine Empfehlung: kein Paktiren mit unlauteren Elementen unserer Gemeinschaft! Zeigt ihnen eure Geringschätzung, schließt sie, auch wenn sie noch so reich sind und noch so üppig leben, unbedingt von eurer ehrenhaften Gesellschaft aus, laßt euch auch nicht durch ein falsch angebrachtes Mitleid bestimmen, sie vor den rechtlichen Folgen ihres gesetz- und moralwidrigen Thuns zu schützen. Solche rücksichtslose und, wo es sein muß, unbarmherzige Ausstoßung anrühriger und verderbter Persönlichkeiten wird wirkungsvoll der positiven Thätigkeit für die innere Festigung und Klärung unseres so reich und schön veranlagten Stammes Vorarbeiten. Halten wir in unserm Deutschen Vaterlande den Antisemitismus deshalb nicht für verringert, weil er nicht mehr so laut auf den Gassen tobt und weil die Mehrzahl seiner Hetzblätter eingegangen ist. Um so tiefer ist er in das innerste Wesen aller Klassen eingedrungen, auch derjenigen, die ihn äußerlich verleugnen. Das Gefühl des Hasses, das immer nur in rohen und gewaltthätigen Naturen lebendig war, hat einer stillen Abneigung Platz gemacht, die auf der, künstlich erzeugten, Empfindung des Fremdartigen, Unzugehörigen beruht, die ihrerseits um so bedenklicher wirkt, als ihr weder mit Vernunftgründen noch mit thatsächlichen Darlegungen beizukommen ist, als sie auch den besseren Charakteren unserer christlichen Mitbürger nicht als verwerflich und unzulässig erscheint und sich selbst mit der vollen Hochachtung vor einzelnen jüdischen Persönlichkeiten verträgt. So brachten die Landtagswahlen des November 1898 zum ersten Male wieder seit langen Jahren zwei Juden in die preußische Volksvertretung: den Landgerichtsrath Peltasohn und den um die Entwickelung des gesammten Genossenschaftswesens hochverdienten Gewerkvereins - Anwalt Dr. Max Hirsch. Beide Männer haben ein warmes Herz für die Sache ihrer Glaubensgenossen, das sie in den Verhandlungen des Landtages bereits wiederholt bethätigten. Die Wahl eines dritten Juden, des Justizraths Lewinski in Posen, ist nur an der Gegnerschaft vieler seiner eigenen Glaubensgenossen gescheitert.

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