Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Schmah Jisroel
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 269 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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269 die ich Dir gegeben Hab', oder glaubst Du, weil ich jetzt .nichts mehr für dich tun kann, daß Du wie der Baum im Wald aus der Erde gewachsen bist? Du warst zart und klein, wie alle kleinen Kinder, Du warst krank, sterbenskrank -" „O Vater, ich wollt'. Du hättest mich sterben lassen!" ,,Jch wollt's auch!" „Vater!-" „Ja, besser, Du wärest tot, als in solcher Sünd' gegen den Vater zu leben!" „Vater, wie sprichst Du zu mir?" „Wundert's Dich? Siehst Du, zuhause trau' ich mich nit! Du und Deine Freundinnen mit ihre Heiligeil und Rosenkränz, dann der Pater und die Kruzifix' und was weiß ich! Ich bin ja ganz wirbelig, ich Hab' wirklich schon gemeint, ä Jud is ä Ausnahmsmensch und muß sich schämen, daß er auf der Welt ist. Soweit hast Du's, mein eigen Kind, gebracht! Aber hier, hier darf ich ein Jud' sein, hier unter meine Leut' Hab' ich Kraft, und ich sag' Dir, ich laß mich nit taufen, nit um die Welt! — Und Du, Harry, mein Jung', mach' Dir nichts d'raus, wenn sie uns Juden nit mag. — Wenn sie Dich gerne hat, soll sie Jüdin werden!" Magid hatte wie von Schauer gepackt die Angen geschlossen, die Hände zusammengeballt und fuhr mit den Fäusten in die Luft, als wollte sie gewaltsam etwas Unangenehmes, Ekles von sich stoßen. Dieser Ausdruck des Abscheus vor dem Judentume brachte Alle gegen sie auf. Sie merkte es und rüstete zum Aufbruche — Draußen war es inzwischen dunkel geworden. Ein scharfer Wind fuhr durch die Straßen, daß Fenster und Türen erzitterten. Magid ordnete ihrem Schwesterchen die Haare. Es geschah langsam, zögernd, als hoffte sie auf ein Wunder, das die Verwirrung der Gemüter zu lösen vermochte. Keine Hand rührte sich. Sie hüllte sich in ihr Tuch, nahm die Kleine an der Hand und schritt zagend, fast schleichend zur Tür. Sie fühlte, daß jeder Fußtritt sie