Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Schmah Jisroel
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 268 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111090-3112698--3386-3112986- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
268 leben und mit der Seele unserer Mutter wird Frieden^ sein!" Der alte Mann schwieg. Das Mädchen blickte flehend von Einem zum Anderen und endlich blieben ihre Blicke an Harry hängen. „O Harry dear, ich weiß, ich Hab' Dich gekränkt, ich war nie, wie eine Verwandte sein soll. Aber ich weiß auch, daß Du mich gern hast! Hilf mir, red' dem Vater zu!" Der junge Mensch versuchte zu antworten, er vermochte es nicht. Nur seine Augen sprachen, sie funkelten vor Sehnsucht, wie sie die trotzige Gestalt des Mädchens überflogen. „O Hab' Erbarmen", flehte die Knieende, „sieh, Euch bedeutet der Glaube nichts. Ihr seid Alle keine gläubigen Juden, was hängt Ihr an dieser alten verfallenen Religion, an der eine Blutschuld, der Fluch des Heilandes klebt!" Der alte Mann hatte sich während dieser leidenschaftlichen Worte erhoben und sah erzürnt auf sein ihn: so unähnliches Kind. „Nun bist Du aber füll!" rief er zornig. Sie wollte antworten, er aber schrie heftig: „Nun schweigst Du, ich red', Dein Vater! Und steht auf, ich kann das Knien einmal nit leiden, ich bin's nit gewöhnt. Du hast gefragt, warum ich Dir die Schand' antu' und aus dem Hause geh? Ich bin Dir davongelaufen, weil Du mich peinigst, weil Du junges Mädel mich alten Mann belehren und bekehren willst! Du, mein Kind, mein Fleisch und Blut, schämst Dich meiner und meiner Religion, Du schimpfst über das Judentum. Was weißt Du davon, was geht's Dich an? Deine Mutter willst Du aus dem Fegefeuer erlösen? Meine Frau war ein braves Weib, sie hat ein herrliches Leben geführt und das Paradies auf dieser Welt gehabt, ein Leben, wie sie sich's als irische Eingewanderte nie geträumt hat. Sie war glücklich und zufrieden. Was überhebst Du Dich über Deine Eltern? Was zerstörst Du meine alten Tage? Ist das der Dank für meine Sorgen um Dich, für die Erziehung,