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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 256

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Feine Seelen
Date
1909-01-01
Page
256 (sequence 51)
Language
German
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256 führte ihrr weiter auf demWege feiner, vertiefter Behandlung seiner Wissenschaft. Der Glanz seiner Sprache und die Eleganz und Wärme, mit der er seinenStoff behandelte, wuchsen mit der Sicherheit, die ihm die Anerkennung gab und so durfte er sich wirklich als einen der Glücklichen preisen, deren Fähigkeiten den rechten Boden gedeihlicher Entwicklung gefunden hatten. Aber das machte ihn nicht etwa übermütig, und wie irgend etwas, das über sein Seelenleben seltsames ausbreitete, lag es über seiner Persönlichkeit. Er selbst versuchte wohl kaum sich Rechenschaft darüber zu geben, oder war sich dessen vielleicht nicht bewußt. Aber den andern fiel es auf, daß trotz der Warmherzigkeit und Lebhaftigkeit seines Wesens, die stets bereit war, wenn es galt jemanden zu nützen, immer zwischen ihm und denen, die sich ihm näherten, eine gewisse Distanz blieb. Es war nicht Mangel an Temperament, es war ganz sicher nicht Mangel an Wohlwollen und Anteilnahme, die ihn von jener Jntiinität ausschlossen, wie sie unter jungen Männern und Gleichstrebenden sich so leicht entwickelt. Aber immer, wenn er vom Moment hingerissen sich jemanden zu erschließen schien, überfiel es ihn wie Scheu und Furcht. Er wurde schüchtern und mißtrauisch und wie aus fremden Fernen in eine ihm nicht verständliche Welt versetzt, verwirrte ihn eine allzu große Vertraulichkeit. Selbst die durch seinen Beruf bedingte starke Inanspruchnahme seiner Persönlichkeit, der vielseitige Verkehr, dem er sich nicht entziehen konnte, vermochten ihn nicht seiner Zurückhaltung zu entreißen, und mitten im stärksten Strom des Lebens blieb er ein innerlich einsamer Mensch. Ein Gebender zwar, kaum je ein Empfangender. Die Freude und Befriedigung an seiner redaktionellen Arbeit blieb ihm wohl, aber auch nur soweit seine Betätigung dafür in Betracht kam. Sie war ihres Nimbus nur zu rasch entkleidet, als er hinter die Kulissen blickte und Neid, Mißgunst, Eitelkeit, Unaufrichtigkeit unter denen fand, die er bisher für Idealisten gehalten, wie er selbst einer war. Es verletzte ihn in seine feine Seele hinein, daß sie in erster Reihe nur an

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