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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 255

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Feine Seelen
Date
1909-01-01
Page
255 (sequence 50)
Language
German
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255 Jung und Alt . . . ohne Unterschied des Standes, ohne Unterschied des Glaubens, denn ein gemeinsames Band umschloß sie alle . . die Liebe zum Vaterland, einen Glauben teilten sie alle, daß das Heil diesem Boden entsprießen müsse. Überall regten sich frische Kräfte und schaffensfreudiger Lebensmut. Freudiges Streben überall. Das werdende Berlin, des Reiches Hauptstadt, war die Parole, die Energie und Mut beflügelte. Und in dieses wache, starke Getriebe sah sich Ferdinand Veit versetzt und tat mit, wie nur einer. Fast hatte er vergessen, daß er eigentlich ein Ausländer war, so sehr fühlte er sich als Deutscher. Waren sie nicht alle eines Geistes, wie sie einer Zunge waren? Mit tiefstem Anteil verfolgte er die Deutsch-Österreichischen Strebungen und ließ ihre Führer mit Vorliebe in den deutschen Monatsheften zu Worte kommen. Der Schaar der norddeutschen Mitarbeiter gesellten sich die süddeutschen, unter denen die Österreicher immer mit inbegriffen waren. Und ein fröhlich-ersprießliches Zusammenwirken war es. Professor Henzen, der anfänglich den Eifer seines jungen Redakteurs nach dieser Richtung etwas einzuschränken suchte, ließ ihn gewähren, als er erkannte, daß diese Grenzerweiteruug des Reiches der Dichtung, Kunst und Wissenschaft, hüben und drüben viel Anklang fand. Bald galten die „Deutschen Monatshefte" als die vornehmste Zeitschrift und als ein Ziel höchsten Ehrgeizes für die neue Dichtergeneration, ihre Schöpfungen dort veröffentlicht zu sehen. So wurde Veit ein Mittelpunkt dieser emporstrebenden Jugend, und wie Jünger sammelten sich um ihn die Werdenden des deutschen Schrifttums. Dichter mit ihren ersten Schöpfungen, Essaisten, Kritiker. Und wenn er ihnen auch nicht allen gleich zur Veröffentlichung helfen konnte, so war er den meisten ein guter Berater und Förderer. Seine eigenen literaturhistorischen Studien und kritischen Arbeiten aber gewannen ihm bald einen großen Leserkreis und das Interesse der Fachgelehrten. Professor Henzen war stolz auf seine Entdeckung. Jahre kraftvollen, jugendfreudigen Schaffens begannen für ihn. Er rastete nicht und jede neue Arbeit

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