Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Feine Seelen
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 253 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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253 er habe das große Los gewonnen. Am liebsten nähme er ja die Eltern und die drei im Elternhaus lebender! Geschwister zn sich nach . . . ja, wahrhaftig nach Berlin. Dieser neuen Reichshauptstadt. Des Deutschen Reiches Hauptstadt! Er hoffe übrigens, daß sie alle, so wie er sich als Deutsche fühlen, wenn sie auch Österreicher von Geburt wären, denn die Wiederaufrichtnng Deutschlands sei eine heilige Sache, die jedes deutsche Herz höher schlagen mache und Deutsch-Österreich sei eins mit dem: „Deutschland, Deutschland über Alles . . .", in dessen Wahrzeichen das Reich wieder erstanden sei. Und in die Hauptstadt dieses Reiches übersiedle er schon übermorgen und erbitte dorthin ihre Antwort auf seinen Brief: poste restante. Dr. Ferdinand Veit war seit acht Tagen Redakteur der von Professor Henzen herausgegebenen Zeitschrift: Deutsche Monatshefte. In sehr ermutigender, liebenswürdiger Weise hatte der Professor ihn einpfangen und ihm nochmals die Ideen über die neue Revue klargelegt. Die hervorragendsten Mitarbeiter auf allen Gebieten der Wissenschaft, Kunst und Literatur waren gewonnen und hatten bereitwillig sich dein neuen Unternehmen zur Verfügung gestellt, das unter Henzens Führerschaft ein Hort des geistigen Lebens des nenerstandenen Reiches werden sollte. Die Ausgabe war wohl schwer, aber die Vereinigung so bedeutender Kräfte, wie sie um Henzens Fahne sich sammelten, mußte ihre Lösung möglich machen. „An Ihnen mein junger Freund und Mitarbeiter wird es nun sein, unser Werk durch Umsicht und Fleiß zu fördern, denn sie sind wohl einer Meinung mit mir, daß Fleiß die Grundlage des Gedeihens ist, Fleiß der Stab des Genies," schloß er seine Ausführungen. Und mit Fleiß ging jetzt der junge Redakteur an seine Arbeit. Mit wahrem Hochgefühl saß er vor seinem Schreibtisch ans dem sich die Manuskripte der ersten Geister des eben geeinten Reiches häuften. Unermüdlich sichtete er und ordnete er das Material, das ihm prächtige Bausteine lieferte für diesen Tempel deutschen Geisteswesens, als den er die neuen Monatshefte betrachtete. Und wie ein