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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 252

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Feine Seelen
Date
1909-01-01
Page
252 (sequence 47)
Language
German
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252 Erhebenden und Freudigen gedachte er. Die Kinder sah er um die Eltern geschaart, wie sie die Sabbat- und Festtage mit ihnen feierten. Diese reinen Segensquellen des jüdischen Familienlebens, deren heilspendende Kraft die Ausdauer, die Regsamkeit, die Willensstärke, die Glaubenstreue, die Frömmigkeit in ihnen befruchtete. Die Frömmigkeit, die ihm abhanden gekommen schien, und die doch in jenem Moment in ihm erwachte, wo das Grosze, Unverhoffte ihm zuteil wurde. Dankbar sein den Eltern, die ihn gezeugt! Treu sein dem Gott der Väter! Er hatte es heute morgen gelobt, als er die Teffillin an Stirn und Arm befestigte, und in diesem Zeichen beschritt er den Pfad, der ihn hinausführte auf ein großes, weites Arbeitsfeld. Zn Hause angelangt setzte er sich sofort hin, um feine!: Eltern zn schreiben. Es war ein Brief voll inbrünstigen Dankes für alles Gute was sie ihm erwiesen, voll heiliger Versprechungen, daß sein ganzes klinftiges Leben dazu bestimmt sei, ihnen zu vergelten, was sie an ihm getan, und daß er fortan darnach streben werde, ihre Tage zu verschönern und ihnen die Sorge um seine jüngeren Geschwistern zu erleichtern. Er hätte jetzt ein festes Einkommen und er — er würde mit wissenschaftlichen Arbeiten nebenbei mich noch verdienen und Alles sei dazu bestimmt, ihren Lebensabend zn erheitern und zu einein beglückten zu inachen. Röschen, die zweite Schwester, wolle er verheiraten, der ersten, die glücklicherweise schon einen Mann hatte, würde er einen jährlichen Zuschuß geben. Sann, seinen: ältesten Bruder, einen: Kaufmannsgehilsen in seiner Heimat, wolle er zur Etablierung verhelfei: und Ri:dolf und Josef, die beiden jüngeren, sollten studieren und, in Erfüllung der eigenen Wünsche, Ingenieur ui:d Or. med. werden. Studieren, aber ai:ders wie er, der nur ein Pionier war, ein Pfadfinder für die Lebensziele seiner Geschwister. In diesen: Tone überschwänglicher Liebe ging der Brief weiter, bis er am Schluß so nebenher erzählte, was sich ereignet hatte, nnd was sein bescheidenes Verdienst an diesen: Glücksfall sei, damit die Eltern nicht etwa denke::,

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