Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Feine Seelen
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 251 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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281 Sorgfalt waltete darin, vergoldete die Bedürfnislosigkeit und gab ihm die Würde der Zufriedenheit. Er sah die Eltern und Geschwister vor sich , wie sie alle, trotz ihrer ganz ausgesprochenen Eigenart, einem Gesetz unterworfen waren/ Dem Gesetze dieser innigen, unlöslichen Zusammengehörigkeit, wie sie die Judensamilie zu einer festen Burg der Treue und Opferwilligkeit machte. Zn einem jauchzenden Aufschrei machte sein Herz sich Luft, das ganz erfüllt war von diesen Erinnerungen. Er sprang empor als wollte er direkt zu ihnen' eilen, um ihnen ■ zu melden, welches Glück ihnen widerfahren, Vater und Mutter und Geschwistern ... ihnen! Denn in diesem Augenblicke dachte er mehr an sie, als an sich selbst. Für sie wollte er wirken, und schaffen, für sie seine Fähigkeiten ausnutzen, ihnen sollte zu Gute kommen, was er errang, was er erwarb! Es fiel ihm nicht ein, daß für ihn, den .Ältesten sich der Lebensweg am schwierigsten und rauhesten gestaltet hatte. Daß er, ein Knabe noch, bald nach der Barmizwah das Elternhaus mit der Fremde vertauschen mußte, uni dort von dem Wohlwollen und der Mildtätigkeit der Glaubensgenossen unterstützt eine höhere Lehranstalt besuchen zu können, und später zu studieren. Nichts Demütigendes und Verletzendes sah er damals darin, denn es war Judenart. Mit einem Segensspruch hatte ihn der Vater hinausgesandt, mit Tränen der Liebe die Mutter! Und heute dachte er nur dieses Segens und dieser Liebe! Ausgelöst waren die Bitterkeit und seelische Pein, die er dann ja doch oft empfunden, als er dieses Brot der Armut aß. Vergessen die Kränkungen und Zurücksetzungen, die er erduldet hatte unter der Hartherzigkeit und der Roheit Mancher, die sich seine Wohltäter nannten und dünkten. Die Tragikomik, die in dieser früher allgemein üblichen Hilfsaktion unter den Juden steckte , die ihn, als er später zur Erkenntnis seiner Lage 'herangereist, oft mit heißem Weh und manchmal auch mit grimmen Spott erfüllte, wurde verklärt durch den milden Schein eines souveränen, verzeihenden Humors ... nichts war in seiner Seele als Dankbarkeit und Gottvertrauen. Nur des