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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 249

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Feine Seelen
Date
1909-01-01
Page
249 (sequence 44)
Language
German
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249 sie nicht das junge keimende Leben, erblühte nicht Alles und gedieh in ihrem Lichte ... so wie in seinen: Innern sich Alles zum Lichte drängte? Das war das Leben, das jugendstarke, schaffende, begehrende Leben! Mit Entzücken und mit Bangen wurde er sich dessen bewußt. Er sollte ein Führender sein ... Er Ferdinand Veit! Der arme jüdische junge Dr. phil.! Was war das nur? Wie war es gekommen? Wie war es möglich? Er hatte sich auf eine Bank niedergelassen und durch die noch entlaubten Zweige eines Baumes, der noch nicht einmal die ersten Knospenansätze trug, schien grell und warm die jetzt an: Mittagshinunel stehende Sonne auf ihn hinab. Seine Gedanken flogen uurher, wie aufgescheuchte Vögel und dann sammelten sie sich zu festeren: Zuge und zogen heimwärts. In das Land seiner Kindheit, seiner Jugend. In einem kleinen österreichischen Örtchen, nahe der polnischen Grenze, war er geborei:, als ältester Sohn des israelitischen Gemeindebeamten, der z:i jener Zeit alle für den jüdischen Ritualdienst erforderlichen Qualitäten in sich vereinigen mußte. Er war Religionslehrer, Vorbeter und Prediger und mußte daneben die behördlichen Eintragungen über Ehen, Geburt und Tod seiner Gemeindemitglieder vornehmen. Ein verantwortungsvolles Amt, das ihn: die Gewissenhaftigkeit staatlich angestellter Beamten zur Pflicht inachte. Auch mußte er Entscheidungen treffen können in Frage:: des Schächtens und anderer ritueller Dinge, was eine Ausbildung nach der rabbinischen Seite zur Voraussetzung hatte. In der Tat war Ferdinands Vater auf der Jeschiwa zu Preßburg für alle diese gottesdienstlichen Handlungen und talmudischen Auslegungen ausgebildet worden, während ihn die Praxis mit seinen übrigen Aintsobliegenheiten vertraut machte. Er war ein enffiger, sorgsamer Mann mit einen: einigern:aßen geweiteten Horizont, soweit er über Alltagslast und Alltagsmüh hinausschauen konnte, aber er war auch ein sorgenvoller Mann, denn die Vielseitigkeit seiner Tätigkeit warf nur kärglichen Lohn ab. Die arme, kleine Gemeinde,

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