Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Feine Seelen
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 248 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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248 ihm eine angesehene Position sicherten? Ihn, Ferdinand Veit, der noch vor wenigen Monaten ein armer Student gewesen, vor wenigen Stunden noch ein recht aussichtsloser und hoffnungsloser Mensch. Wußte er im Grunde ja wirklich nicht, was er mit seiner frisch erworbenen Wissenschaft anfangen sollte, wie diese ihm gedeihlich werden, für seinen Unterhalt auszunutzen sein würde. Als höchstes Ideal schwebte ihm irgend eine kleine Anstellung an einer Schule vor, wo er in Literatur hätte Unterricht erteilen können. Aber auch das waren itur vage Ideen, nicht hinausgediehen, über eben so rasch entstandene, wie wieder verworfene Projekte. Bisher hatte er sein kärgliches Brot mit Stundengeben verdient und darunt glaubte er sich zum Lehrer bestimmt, und jetzt mit einem Schlage war Alles verändert. Auf einen Posten war er gestellt, einen weithinsichtbaren, wo er Tüchtiges leisten, Großes wirken konnte. Für die Öffentlichkeit sollte er schaffen, in voller Öffentlichkeit. Eine Zeitschrift! Was das nur bedeutete? Und in tausend Hände würde sie kommen, in tausende und abertausende! Und Wissen und Belehrung würde mau daraus schöpfen, und Unterhaltung und Anregung, und fruchttragende Ideen würde sie verbreiten, und edle, patriotische Gedanken würde sie wecken und das nationale Gefühl stärken ... so war es zwischen ihm und dem Verleger abgesprochen ... Er fand sich plötzlich am Eingänge des Rosentales und durchschritt die einsamen Parkwege. Nur schüchtern regte sich des Frühlings erstes Beben auf den weiten Wiesenllächen. Ein zarter, grüner Flaum sprießte aus dem braunen Erdboden auf, hier und da lugte ein zitterndes Veilchen heraus . . . aber wenige Tage später schon würde hier eine herrliche, prangende Lenzeswelt sich ausbreiten; und so . . so lag sein Leben vor ihm. Heute früh noch kahl nud dürr und aussichtslos und jetzt? Würde es zu einem herrlich prangenden fruchttragenden sich entwickeln? Schien ihm nicht die Sonne des Glückes, durchleuchtete und erwärnite sie ihn nicht mit jenen segnenden Strahlen, wie die Frühliugssonne sie über die Erde breitete? Und erweckte