Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Feine Seelen
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 247 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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247 Als er einige Stunden später vor dem Chef des Verlagshauses stand, folgte er mit Selbstbewußtsein und Würde den Worten des Verlegers, der ihm über Tendenz und Ziele der neuen Zeitschrift seine Ansichten entwickelte. Mit gespannter Aufmerksamkeit hörte er zu und die kurzen, präzisen Einwürse, die er machte, ließen den Unternehmer leicht erkennen, daß er sich an den richtigen gewandt und sich einem Manne gegenübersah, der trotz seiner Jugend doch volles Vertrauen verdiene und ernst und überlegt auf seine Pläne etnzugehen wußte. Nichts von der Schüchternheit und Unsicherheit, die ihn bisher ungewandt und ängstlich hatte erscheinen lassen, haftete ihm an. Ruhig und gelassen brachte er seine Erwägungen vor, und weder die Persönlichkeit des Verlegers noch die Großartigkeit des Geschäftsbetriebes brachten ihn aus der Fassung. Besonders wohlgefällig nahm der Buchhändler seinen Plan auf, in der neuen Zeitschrift die patriotische Begeisterung anklingen zu lassen, die noch in allen deutschen Herzen nachzitterte. Denn noch war der gewaltige Sturm, der die Seele durchschüttelt hatte, nicht verrauscht. Noch stand das deutsche Volk, stand die Welt unter dem Eindruck und dem Zeichen dieser außerordentlichen Ereignisse. Ferdinand Veit hatte diese Ereignisse mit durchlebt mit jenem Enthusiasmus und jenem stolzen Empfinden, das die deutsche Jugend jener Tage erfüllte. Und nun sollte er dazu erkoren sein, die geistige Aussaat auf dem neuen, tapfer eroberten Boden mit vollziehen zu helfen .... einen Augenblick lang überkam es ihn doch wieder mit Furcht und Zweifel, aber er raffte sich auf, fand den rechten Ton und die überzeugenden Worte für die Angelegenheit, und nach wenigen Stunden waren die Vertrage zu gegenseitiger Zufriedenheit abgeschlossen. Erst als die herbe Frühlingsluft unten seine Stirne kühlte, kam er zur Besinnung und vermochte die großen Veränderungen zu überblicken, die in diesen kurzen Vormittagsstunden sich in seinem Leben vollzogen hatten. War es Traum oder Wirklichkeit? Aufs Neue überkamen ihn Zweifel . . . aber hielt er nicht in der Hand die Papiere ... die Verträge, die ihn zu einerliterarischenAufgabeverPflichteteu,