Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Feine Seelen
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 245 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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245 Verlegers erhielt, der ihm anbot, die Redaktion einer Zeitschrift zu übernehmen, die er im Zeichen der neuen Zeit des wieder aufgerichteten Deutschen Reiches zu gründen beabsichtigte. Veit sollte in erster Reihe den literarischen Teil leiten und über die Neuerscheinungen schreiben; seine Uebersiedelung von Leipzig nach Berlin wäre eine der Bedingungen des Vertrages, den er ihm zur Unterschrift oorlege. Das Schreiben enthielt außerdem noch einige anerkennende Worte über seine Arbeit, die gewissermaßen als Paradigma der neuen Zeitschrift anzusehen wäre und im ersten Hefte zum Abdruck gelangen sollte. Die Anregung zu dieser Zeitschrift wäre von Professor Henzen erfolgt, der als Herausgeber figurieren würde und die Aufmerksamkeit des Verlegers auf ihn gelenkt hätte. Auf ihn . . . Ferdinand Veit! — Auf ihn! Er versuchte den Brief nochmals zu lesen, aber das Papier zitterte in seinen Händen, und vor den Augen flimmerte es in großen, farbigen Kreisen, blau, rot, grün und führte ein buntes Ringelfpiel tanzender Buchstaben vor ihrn auf. Mühselig suchte er zu entziffern, was das Schreibei: enthielt, das er soeben gelesen hatte und das er doch nicht gelesen zu haben glaubte oder doch nicht verstanden. Ein wirres Trugbild seiner Phantasie äffte ihn wohl nur, aber einer Phantasie, die er eigentlich gar nicht besaß, einer Phantasie, die uinnner zu so hohen: Flug sich aufgeschwuugeu hätte, die nicht etwas hervorzaubern konnte, wohin niemals ei:: kühner Gedanke, ja nur ein köstlicher Traun: ihn zu führen versucht. . . . Doch, aus den: Buchstabenwirrsal forinten sich Worte, zwei Rainen, zuerst der des Verlegers dann der des Herausgebers. Mit bebender Stimme sprach er sie vor sich hin, dann wiederholte er sie laut, andachtsvoll. Beide waren ihn: bekannt. Das Verlagshaus, eine der ersten, angesehensten Firmen des deutschen Buchhandels, der Herausgeber, eii:er der hervorragendsten jüngeren Gelehrten, eine Autorität auf den: Gebiete moderner Literatur. Und an ihn, an Ferdiimnd Veit, hatten diese beiden sich gewendet, An den unbekannten, arinseligen Studenten, an den An-