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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 242

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Feine Seelen
Date
1909-01-01
Page
242 (sequence 37)
Language
German
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— 242 - erinnerte, das erfüllte mich , oft mit Betrübnis, und ich bedauerte, daß diese herrlichen Menschen dem Judentum so fremd geworden. Eduard Heilmann liebte es nicht, daran erinnert zu werden und wollte in seinen humanitären Betätigungen nie von konfessionellen Bevorrechtigungen — er nannte es Vorurteile — etwas hören. Die Kinder kannten diese Unterscheidungen überhaupt nicht und die Mutter ... ja die Mutter? Wo hatte Clärchen „Sehr nicht schön" die Erinnerungen verborgen an das jüdische Leben ihrer Kindheit, ihre Mädchenzeit? Wohin waren die Tanten der Familienchronik verbannt? Ihre Mutter gab in einer vertraulichen Stunde mir darüber Äufilärung. Sie hatte einmal, einige Jahre nach der Verheiratung ihrer Tochter, in einer jener behaglichen Abendstunden, die den Schwiegersohn und die Tochter zu freundlichem Geplauder bei ihr vereinte, erzählt, wieso Clärchen einst den Spitznamen „Sehr nicht schön" erhielt und wie dieser bis zu einer Tante zurückführe, die wohl längst vergessen wäre, wenn sich an ihr Gedächtnis nicht diese kleine Geschichte knüpfte. Und merkwürdig, der Schwiegersohn, der sonst so empfänglich und liebevoll entgegenkommend für alles war, was sie erzählte, hatte mit großer Bestimmtheit gesagt, er bäte sie dringend, vor niemanden und ganz besonders vor den Kindern etwas von jenem Beinamen und seinem Ursprung laut werden zu lassen. Solche Bezeichnungen heften sich wie unauslöschliche Merkmale den Personen an, sie geben zu allerhand Mißdeutungen, Auslegungen, Mythenbildungen Veranlassung, reizen die Phantasie der Kindesseele und haften so fest, daß sie die Träger solcher Spitznamen endlich der Lächerlichkeit preisgeben. So hold und lieb der Name Clärchen ihm klinge, der Beiname „Sehr nicht schön" verursache ihm direktes Unbehagen. Es passe nicht zu seiner Lebenshaltung, es entspräche nicht seinen Anschauungen. Dieser Nebenbegriff, der stets eine verwunderte Frage und eine lange, allzu naiveAufklärung nach sich ziehen würde, sei so gar nicht geeignet für den weiten Rahmen, in den er die köstliche Gestalt seiner.Hausftau fassen möchte. Weit und prangend! Und nur sie, Clärchen

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