Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Feine Seelen
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 241 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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241 aus: „Die wollen wir mit hinübernehmen in unser neues Leben!" So geschah es. In diese reiche, vornehme, moderne Welt, die sie ganz abseits führte von ihrer bisherigen Existenz mit ihren beschränkten Lebensgewohnheiten, begleiteten sie die Erinnerungen an Pessel Sehrnichtschön. Und je mehr sie sich entwickelte, je stärker, freier, bewußter sie wurde, je klarer und köstlicher sie ihr Glück empfand, desto tiefer wurde sie sich der Nachsicht und Milde bewußt, die in dem beschönigenden, verzeihenden: „Sehr nicht schön" der Tante Pessel ruhten. Das Haus Eduard Heilmanns galt als ein Mittelpnnkt fein durchgeistigter Geselligkeit. Es galt als ein Vorzug, zu den Freunden des Hauses zu gehören und dort eingesührt zn sein. Tüchtig und hochbegabt wuchsen die Söhne heran, klug und liebenswürdig die Töchter. Die Heiterkeit einer gefestigten, distinguierten, harmonischen Lebensführung durchleuchtete diese Häuslichkeit und machte sie zu einer Stätte des Behagens und der Anregung füralle, die dort verkehrten. Neben dem Ernste blühte der Frohsinn, neben zielbewußter Arbeit die Erholung festlicher Stunden, neben lebhaftem Meinungsaustausch über die großen Fragen der Zeit das anmutende Geplauder über literarische und künstlerische Dinge. Es war ein Genuß und eine Freude, das Tun und Treiben dieses Kreises zu beobachten, besonders für den, der wie ich die lieferen Zusammenhänge dieses prächtigen Familienlebens zu erkenneil vermochte. Der Reichtuni, den ein kluger, energischer Mann mehrte in überlegener Kenntnis der geweiteten Handelsinteressen unserer Zeit, der sich damit auch eine hervorragende soziale Stellung geschaffen, die Vornehmheit und edle Weiblichkeit edler Frau, die sich deil großen Verhältnissen mit feinem Verständnis angepaßt, die Kinder in körperlicher llnd geistiger Gesundheit, erfüllt von schönem Lebensdrang . . . das gab eine Einheit voll vollster Uebereinstimnlung. Nur daß sie so abseits standeil, so völlig entfremdet schienen allen Interessen unseres Glaubens, daß sich so garnichts kundgab, was an eine Zusammengehörigkeit mit unserer Religionsgenosseilschaft IE