Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Feine Seelen
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 228 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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, 228 — Zimmer , . . meschüggel Awromele war schon immer ein närrisches Junge!!" so ungefähr lautete das Raisoneinent seiner Eltern. Die Auffassung der Waldschreibersleute aber hatte die Karriere Abraham Friedsohns nicht hemmen können. In geradezu fabelhafter Weise hatte diese sich vollzogen. Mit jenem Aufstieg, wie er nur ganz wenigen. glückt, jenen wenigen, die zu den Auserwählten gehören. Friedsohn lenkte bald die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich. Nachdem er die Akademie beendet hätte, fand er Gönner, die ihm zu Studienreisen nach Paris und Italien verhalfen, und so kam der arme Waldschreiberssohn in die Welt. Die erhabenen Wunder der Kunst erfüllten seine Seele mit staunender Andacht. Er nahm die Herrlichkeit der Antike m sich auf wie eine heilige Verkündung, er schwelgte in der ergreifenden Schönheit mittelalterlicher Malereien und sein Geist .wurde befruchtet von den künstlerischen Schöpfungen der modernen Zeit. Sein Horizont weitete sich, sein Blick wurde sicher und scharf; in allen Galerien und bekannten Bildersammlungen in den Ateliers berühmter Meister war er zu Haus. Er sah, er studierte, er lernte, er versuchte nach Art der Lernenden sich an den verschiedenartigsten Motiven, er sättigte sich mit Eindrücken, aber der urständige Boden seines Könnens war endlich doch die Heimat. Diese löste sein intimstes Empfinden aus, und was er dort erschaut, wurde seine große Kunst. Die galizischen Schneefelder der hohen Tatra, die Verträumtheit, die Einsamkeit, die Wunschlosigkeit, die Stille dieser Landschaften inspirierten ihn zu seinen ergreifendsten Werken.. ■ ■ ■ ' Von seinen Wanderzügen kehrte erimmer wieder nach dem Waldgebiet zurück, in dem sein Vaterhaus stand. Diese kleine Hütte, von der der Weg zu jener andern fühtte, wo die alten Leute wohnten, die ihn so sehr geliebt und um seine Jugend den Schimmer treu sorgender Zärtlichkeit gebreitet hatten. Unauslöschlich stand das in seinem Herzen, es tat ihm weh, daß er ihnen fremd geworden, ihnen und den Eltern. Sie hatten keinen Standpunkt zu dein Malersmann, seine