Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Feine Seelen
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 222 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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und werden als das Höchste ihrer Kunstgattung gepriesen. Der Besitz eines Bildes von Abraham Friedsohn ist für Kunstkenner etwas besonders erstrebenswertes. Denn in der wundervollen Einsamkeit dieser Schneelandschaften liegt ein unendlicher Reiz, etwas rührendes und tröstliches zugleich. Er gibt der toten Natur einen Lebensinhalt und das silbrige Weiß scheint erfüllt von buntem Glanze. Das todesschaurige der erstarrten Eisgefilde wird gemildert von den 'strahlen eines -Lichtes, das in den Tiefen eines gläubigen, reinen Herzens erstrahlt, und von einem Temperament auf die Leinwand gezaubert wird. Das ist das Rätsel der malerischen Wirkung dieser Bilder. Ihr Erfolg ist so groß, daß er den Schöpfer dieser Kunstwerke oft selbst nüt Staunen erfüllt, und dann sucht er in der Erinnerung die undefinierbaren Grundzüge seines Könnens. Wie war das nur gekommen? Damals als man ihn in den Cheder stellte, war er sehr unglücklich. Er konnte kaum atmen in der dumpfen Luft der Judenvorstadt Kazemierz, in der er wohnte lind die schmutzigen Häuserinafsen, die schmalen Straßen und engen Winkel, in denen die Juden zusammengepfercht waren, erfüllten ihn nüt Grauen und Abscheu. Da war doch seine Heimat, der Wald, etwas ganz anderes, und er konnte nicht begreifen, warum nicht alle Juden im Walde wohnten? Er war groß genug dazu, und wenn man ihn nicht niederhauen würde, hätten sie alle Platz unter den grünen Bäumen. Er nahm sich vor wenn er erst erwachsen sein würde, mit dem reichen Vetter einmal darüber zu sprechen, aber bis dahin mußte er noch viel lernen, um den Eltern und Großeltern Freude zu machen. Das hatte er ihnen gelobt, und was gab es für einen armen, kleinen Judenknaben, einen Waldschreiberssohn besseres, um seiner Familie Freude und Ehre zu bereiten als — zu lernen. Das sagte ihm die Tante, bei der er wohnte, täglich unzählige Male, das sagte ihm der reiche, wohlnreinende Vetter, bei dem er am Schabbes innner aß, das sagte ihm sein Lehrer, der solche Ernrahnrnrgen auch dann und wann handgreiflich unterstützte, und so sah er ein, daß es Wohl das richtigste