Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Feine Seelen
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 221 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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wo es galt, ihn vor den Gefahren der Waldeinsamkeit zu bewahren, die ihm die Sinne zu verwirren drohte. So war ein Herbsttag gekommen, wo er mit Vater und Mutter zusammen zu den Großeltern wanderte, um den Sabbat bei ihnen zu verbringen . . . zum letzten Male. Am Sonntag früh schon sollte der Vater mit ihm nach Krakau fahren, wo man ihn bei einer Tante mütterlicherseits untergebracht hatte. Mit besonderer Feierlichkeit wurde dieser Abschied gefeiert Voller und heller als sonst erklang das Lecho daudi des alten Friedsohns, in das der junge und jüngste kräftig einstimmten. Von dem Rosinenwein bekam er ein ganzes Gläschen, auch die Abendtafel war reicher bestellt als gewöhnlich, und am darauf folgenden Tage gab es alle seine Lieblingsgerichte, so daß es ein Wunder war, daß er an den fetten, süßen, schweren Speisen sich nicht den Magen verdarb. Man war ganz auf den Aufenthalt im Zimmer angewiesen, denn es regnete ununterbrochen. In trüber Nässe tropfte es von den Bäumen. Der Wald weinte beim Abschied von seinem kleinen Freunde. Ein wehmütiges Lächeln spielte um die Lippen des Meisters, als er dieser Stunden gedachte. Er beugte sich über eine Bauzeichnung, die vor ihm lag. Es war der Grundriß einer Villa, die er sich am Saume eines in der galizischen Hochebene gelegenen Waldes erbauen ließ. Nur wenige Meilen von dem Heimatsboden entfernt, auf dem er das Licht der Welt erblickte, jener grünen Welt, mit ihren Farbenwundern, die ihm seine Kunst geschenkt. Seine Kindheit erstand vor seinem geistigen Auge. Er durchlebte den Frühling und Sommer wieder in all seiner Schönheit, aber in das Blühen und Gedeihen, in das Leben und Weben des Waldes klangen die schrillen Laute der Axt an sein Ohr, daß er schmerzlich zusammenzuckte. Und dann kam der Herbst und der Winter . . . ja der Winter! Das war doch das Herrlichste. Der Schnee, der weiße Schnee . . sein Schnee! Der ihm das größte in seiner Kunst gegeben, seine innerste Befriedigung, seinen Ruhm, seinen Wohlstand, sein häusliches Glück. Seine Schneelandschaften sind weltberühmt.