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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 212

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Feine Seelen
Date
1909-01-01
Page
212 (sequence 7)
Language
German
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212 dann an zu plaudern und zu erzählen, was ihm so durch denJungenkopf zog. Allerhand krauses Geschwätz, dem die Alten mit auflachenden Mienen und stillem Staunen folgten. Heute war's der Schnee, der ihn zu ganz seltsamen Betrachtungen veranlaßte. Zuerst wollte er wissen, warum der Schnee weiß sei und warum er fliege und nicht falle? Bestürzt sahen die Großeltern sich an. Beide wußten sie keine Antwort aus seine Frage. „Wieso er weiß is?" sagte der alte Mann, „nu, wie soll er denn sein? Schwarz etwa?" Seine Ehehälfte nickte zustimmend mit dem Kopfe. „Schwarz kann er nicht sein, sonst wär er Pech . . ." gab sie zu, „wieso er aber weiß ist, kann ich nicht sagen . . . vielleicht weil er vom Himmel fliegt . . ." „Regen fällt auch vom Himmel. und ist nicht weiß", warf Abraham ein, „es muß was anderes sein." „Wer kann's wissen?" antwortete resigniert der Großvater. „Ja, wer kann's wissen?" wiederholte die Frau, „aber weiß is er . . . ganz gewiß, und nich schwarz . . ." Da lachte der Knabe hell auf und rief: „Un ich wer' dem Seiden und der Muhme was ganz anders sagen . . . er is gar nich weiß und er ist auch nicht schwarz, aber rot is er und blau und grün und gelb ... ja das is er, ich hab's heute ganz genau gesehen, ganz rot . . . feuerrot, wie die Sonn' ani Abend, wenn sie schlafen geht . . . und grün wie die Bäume im Frühjahr und gelb wie das Korn im Sommer und blau wie der Himmel . . ." Er kannte die Farben der Natur. „Gott soll verhüten . . . was für närrische Einfälle das Jüngel hat", sagte der Großvater, und die Großmutter fügte besorgt hinzu: „Ob Awromele nicht in der Hitz' redt?" Dabei befühlte sie seinen Kopf und nahm seine Hände in die ihren: „Soll ich gesund sein, Hitz' hat er nich . . . efscher is er übermüd't von dem weiten Weg in der Eiskält'!" „Ich bin nicht müd', Großmutter, und mir war auch nix kalt. Schön war's, wunderschön! Auf dem weißen Schnee blühten lauter bunte Blumen, rote und

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