Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Ludwig Jacobowski
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 204 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Lieber als solche doch Wohl parteipolitischen engen Gedichte sind mir Verse, die vom rein menschlichen Mitleid eingegeben wurden. Auch an ihnen fehlt es nicht. Doch darf man sich Ludwig Jacobowski nicht nur als Grübler und Pessimisten vorstellen. Er wußte seine Schmerzen zu überwinden. Es hat eine tiefe Bedeutung, daß er seine reifste Gedichtsammlung „Leuchtende Tage" nannte. In diesem Buch steht der knappe „Trost": Seele, sag', was ringst Du so in Pein? „Bin von Erde, möcht' von Himmel sein!" Seele, Du erringst nur Nacht nnd Tod? „lieber Nächte glüht ein Morgenrot!" Jacobowski hatte sich den Glauben an dieses Morgenrot bewahrt, und einige Glückstage waren denn auch ihm beschieden (in Freundschaft, in Liebe, iin Erfolg) — nicht allzuviele, aber er wußte sie mit frischer Seele zu genießen. Und so setzte er denn als Motto vor sein liebstes Gedichtbuch: Ach, unsre leuchtenden Tage Glänzen wie ewige Sterne, Als Trost für künftige Klage Glüh'n sie aus goldener Ferne. Nicht weinen, weil sie vorüber! Lächeln, weil sie gewesen! Und werden die Tage auch trüber, Unsere Sterne erlösen! Mit kindlicher Harmlosigkeit wußte er an solchen Glückstagen zu plaudern. Da gelang ihm etwas, was man nach allem Gesagten am wenigsten bei ihm vermuten sollte: der ganz volkstümliche Ton, das Lied, das geplauderte Genrebild. So schildert er etwa den „Sonntag Nachmittag". Neben derbhumoristische Beispiele solcher volkstümlichen Begabung stelle ich noch ein zartkindliches, das übrigens gerade so für Jacobowskis wahrhaft deutschen Sinn spricht wie das eben zitierte für sein gut preußiches Fühlen. Der Dichter ist in eine junge Witwe verliebt und sucht in kluger Diplomatie die Gunst ihres