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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 203

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Ludwig Jacobowski
Date
1909-01-01
Page
203 (sequence 24)
Language
German
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203 Todesgedanken und Klagen über das eigene harte Schicksal kehren begreiflicherweise oft in diesen Versen wieder, bisweilen in einer Schlichtheit, die jweitaus,!ergreisender wirkt als rollendes Pathos. Als Kind verlacht Mit dunklem Sehnen, So fand die Nacht Mich oft in Tränen. Nun bin ich Mann Und mutz Wohl schweigen. Um dann und wann Die Stirn zu zeigen. Hier ist jeglicher Kommentar überflüssig; der einfache Mensch versteht ohne weiteres diese Worte, eben weil sie einfach und rein menschlich sind. Und dies (Keine Worte darüber machen) können ist sicherlich das höchste Lob, das sich einem Gedicht spenden läßt. Dem eigenen Leid gesellt sich fremdes. Jacobowski findet in seinen Gedichten starke Töne sozialen Mitleids. Bald faßt er sich epischer und erzählt eine längere Geschichte von dem Soldaten, den ein sozialistisches Flugblatt unglücklich macht; bald greift er eine kurze Szene auf und spricht sogleich sein eigenes Empfinden aus. Sehr bezeichnend für diese ganze Dichtungsgattung — international-sozialdemokratische Lyrik möchte ich sie nennen, und ihre hervorragendste Vertreterin ist Wohl Ada Negri — sehr bezeichnend sind diese Zeilen: Ein hungernd Proletarierkind. Von einem Hunde halb zerrissen . . . Das kommt, wenn wo zwei Mäuler sind Und nur ein einziger Bissen. Ich lese dieses Bild der Not Und möcht' die Faust gen Himmel recken! — Wem kann sein eigner Bissen Brod Noch schmecken? (Wobei ich es mir aber nicht versagen kann, wenigstens in Parenthese das „ich lese" zu rügen. Es ist ganz unplastisch, ganz undichterisch, riecht nach Zeitungsdruckerschwärze. Der Künstler soll sehen.)

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