Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Ludwig Jacobowski
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 202 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Wo meine guten Geister mich verliehen, Und sich mein Genius weinend fortgewandt. Daß in der Seele frei und unbehütet. Des Zweifels Dämon Unheilvolles brütet. Das ergreift unmittelbar, kommt aus der Seele und spricht zur Seele; das wiegt manchen schlechteren Vers auf. Das Suchen nach der Gottheit gab Jacobowski nie aus. Ich zeigte, wie er bis zuletzt dieses oberste Sehnen zu gestalten suchte. In seinen reiferen Gedichtsbänden aber wußte er auch Irdischeres lyrisch zu fassen. Ich sagte, ich hielte nicht viel von seinen Liebesgedichten. Hier gilt eine Ausnahme, die aber die Regel nur bestätigt. Die Verse an seine frühgeschiedene Braut Martha sind durchgängig schön und eigenartig, sind aber auch nicht reine Liebesgedichte. Einmal drückt den Dichter das bitterste Schuldbewußtsein. So klagt er sich an: Läg' ich im Turmverlieh in Fesseln Und hörte nachts die Dohlen schrein. Und schleiften Rosse mich durch Nesseln, Im Sonnenbrand durch Wüstenei'n, Und läg' ich Jahre ohne Schlummer Hilflos auf übereistem Plan . . ., Es war' lein Lohn für all den Kummer, Den ich, mein Lieb, Dir angetan. Dann aber führt ihn das Geheimnis des Todes, das nun seine Braut umschwebt, wiederum auf Gottheitsfragen. Und sein durch die innige Liebe sozusagen vermenschlichtes, konkreter gewordenes Empfinden, grübelt sich nun nicht mehr einzig in die nackte Gottheit hinein, sondern gewinnt auch zeitig Verständnis für die Natur. Da ergeben sich dann schon früh ganz ähnliche Gedankenrechen, wie sie in dem letzten Skizzenbuch wiederkehren. . ■. . Ein Trauermantel schwebt auf Deinem Grab Und flattert hin mit sammetdunklem Flügel. Nach Blumen sucht er auf dem grünen Hügel Und taucht in volle Kelche tief hinab. Aus Deinem Sarg die weiße. Rose blüht. Getränkt von Deines Todes Schlummerkrästen; Nun schwelgt der Schmetterling in Blumensästen, Die Deine holde Seele ausgesprüht.