Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Ludwig Jacobowski
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 201 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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201 und Hauch. Vögel, die über die Wolken ziehen, Flammen, die tief aus der Erde sprühen, Seelen, die stille Sterne umkreisen, freundliche Lieder in Sphärenweisen, mein ist das ganze stumme Reich, bin Bruder von euch, bin Blut von euch ..." -i- * Als ein unvollendet Strebender, als ein sehnsuchtsvoller Mensch ohne Heiniat aus Erden und im Himmel, als der unfertigste, zerrissenste Sohn einer unfertigen, zerrissenen Zeit ist Ludwig Jacobowski geschieden. Dem Unfertigen war es nicht vergönnt, vollendete große Werke zu schaffen. Nur Keime, nur Werdendes vermochte ich in seinen größeren Dichtungen aufzuweisen. Aber eine ganz reine und fertige Kunstübung war ihm doch beschieden: die lyrische. Alles was ihn bewegte, was er in umfassenderen Werken auszugestalten suchte, hat er. nebenher auch in Versen festgehalten und da, im engeren Rahmen, bei völliger Subjektivität, gelang es ihm zumeist besser. Jacobowski war ein überaus fruchtbarer Lyriker; dem ersten ganz unreifen Bande folgten noch vier weitere. („Funken" 1890, „Aus Tag und Traum" 1896, „Leuchtende Tage" 1899, „Ausklang" Nachlaß von 1901). Bei solcher Fülle der Production ist es natürlich, daß auch mancher geringere Vers entstand; ich glaube, man würde Ludwig Jacobowski einen guten Dienst tun, wenn man eine Auswahl seiner Gedichte herausgäbe. Auch in den „Funken" ist noch vieles unreif. Was darin von Liebesgedichten vorkommt, ist ziemlich trivial; besonders hervorgetan als Sänger der Liebe hat sich freilich Jacobowski niemals. Dagegen findet er in seinen „Fauststimmungen" echt dichterische Worte. Wenn bisweilen die Schwerflüssigkeit der Diktion störte, so entschädigte der tiefe Gehalt dieser Verse. . . . Ich denk' zurück wie ich mit dumpfem Bangen, Sali meiner Mutter bleiche Totenwangen; Da war's, wo es gewaltsam schrill gerissen. In meinem Herzen, das in Weh sich wand, Wo ich, die Zähne blutig festgebissen. Kein stammelndes Gebet zum Ew'gen fand,