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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 199

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Ludwig Jacobowski
Date
1909-01-01
Page
199 (sequence 20)
Language
German
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199 schmählichen Streichen, die einen großen Teil des Buches ausfüllen. Odin wird um sein heimliches Liebesglück gebracht, Thor in seiner Ehre gekränkt, Freya in Schande gestürzt. Die Erdenbewohner werden gegen die Götter aufgewiegelt und unter einander verfeindet. Ich setze eine kurze Stelle aus diesen menschlichen Jrrsalen hierher: „Es sind Götter für Jarle und Bauern, nicht für arme Sklaven. Wir haben kein Heim in Walhall, denn wir haben keines auf der Erde. Keine Walküre trägt uns quer überm Roß nach der Götterburg, denn kein Kampf und keine Ehre blüht für Sklaven in der Schlacht. Unten in Hels Schattenreich athmen wir, und warum? Weil wir im Lichte der Erde geweint und Walhall nie gesehen haben und nie einen Gott. Götterlos sind wir in die Welt gestoßen, götterlos leben wir dahin, götterlos sinken wir in Hels Reich. Halme blühen, doch nie für uns, Vögel fliegen, doch nicht für uns; Erzschmuck glüht, doch nicht für uns. Für uns liegen Opferschalen bereit, blitzen heilige Messer am heiligen Baum, steht das Brettspiel in finsterer Ecke, auf daß man uns verspielt wie Hunde, Kälber, Schafe ..." Diese Sklavenworte weisen deutlich den sozialen Grundgedanken des Buches auf. Aber sie zeigen noch mehr. Sie lassen erkennen, welche Wucht und Plastik dem jungen Dichter im Einzelnen schon zu Gebote stand. Im vielfachen Einzelnen; denn jedes Kapitel des Buches ist für sich betrachtet ein lebendiges Kunstwerk, bald von lyrischer Zartheit, bald von dramatischem Pathos. Nur das Ganze hinterläßt keinen reinen Eindruck, weil noch die Klarheit, die völlige Reife fehlt. Der Kampf zwischen dem glücklos schlechten Loki und den Göttern endet mit Balders Ermordung. Loki führt nun ein darbendes Volk der Finsternis in das glückliche Sonnenland des Toten. Schon sind die Eindringlinge Sieger, ein Hund, ein „zähnefletschendes Tier" sitzt auf Balders Thron, da tritt ein Jüngling aus Balders Stamm auf, ein neuer Balder, ein neuer Lichtgott und Bringer des Guten. Und so wird derWampf zwischen der unsterblichen Reihe der Guten und dem unsterblichen unglücklichbösen Loki in Ewigkeit weitergehen und das Leben bedeuten.

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