Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 198

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Ludwig Jacobowski
Date
1909-01-01
Page
198 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3111067-3111090-3112696--3314-3112916
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

198 Warf, war schließlich sein gutes Dichterrecht, und ich begreife Georg Brandes' Entrüstung über diesen Punkt nicht recht. Aber selbstverständlich wurde der sowieso schwer verständliche Mythus durch solche Willkür und durch die Vermischung mit ganz modernen Ideen vollkommen dunkel. Sehe ich von allen verschwindenden Einzelheiten ab, so liegen die Dinge wohl derart: Der Mythus stellt Gut und Böse gegeneinander, Bejahung und Verneinung, Aufbau und Zerstörung in der Natur. Jacobowski läßt das Böse um seines Unglücks willen böse sein (ein durchaus moderner Gedanke!), und ferner weist er mit moderner Schärfe daraus hin, daß jener Zwiespalt, jener Kampf notwendig sei zur Fortentwickelung des Lebens. Loki ist der Jüngstgeborene unter den Göttern. Seine Herkunft bleibt unbekannt, er muß das uneheliche Kind einer Göttin sein. Und weil die Göttinnen alle wegen dieses Bastards in Verdacht geraten, und weil sie ihn wechselweise auf Urds, der Schicksalsgöttin, Befehl aufziehen müssen, so wird das Sündenkind mit Hatz und Niedertracht, schmählich ungöttlicher Niedertracht, behandelt. Welche Wiedersprüche schon hier! Götter — doch über ihnen die Schicksalsgöttin Urd, Götter —, doch im Dunkel über vieles Geschehen, gute Götter — und voller Haß und Niedertracht! Wie reimt sich das zu den modernen Gedanken der gleichen Dichtung? Der Knabe Loki wächst auf, von den guten Göttern gehaßt und ihren Haß erwidernd, nur von einer elbischen Alten gehegt und von Urd beschützt. Er muß schwer arbeiten, und die ungerechte Verteilung der Güter bedrückt chn bald. Er begibt sich dann zu seinen glücklichen Anverwandten, den „guten" Göttern. Ihr Geschick kennt er — sie werden untergehen, durch Loki untergehen — sein eigenes ist ihm verhüllt. (Auch dies eine Unklarheit, an der sich gewiß in mancher Richtung herumdeuteln ließe "— sie bleibt aber doch unklar.) Bei den Göttern erreicht Lokis Unglück den Höhepunkt. Er liebt Nanna, und Nanna wird Balders, des Sonnengottes, Gattin. Nun muß der Glücklose alle Götter hassen und insbesondere den Glücksgott Balder. Sein Kampf beginnt. Er führt ihn mit listigen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.