Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Ludwig Jacobowski
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 197 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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197 umfangreiche Werk, das Jacobowski nach seinem Judenroman noch schreiben durfte, den „Loki, Roman eines Gottes" (1898). Wenn Brandes erklärt, Loki sei „den Göttern gegenüber der gering geschätzte übel behandelte Jude in der christlichen Gesellschaft", so erscheint mir das viel zu eng gefaßt und wohl auch geradezu falsch, denn Loki ist nicht nur der böse Empörer sondern ein so abschreckend elender Geselle, daß ihn selbst Uhlwardt und Pückler nicht schlechthin mit „dem Juden" identifizieren durften. Wiederum wenn R. Steiner behauptet (wobei er sich auf Gespräche mit Jacobowski stützt), der Dichter habe in seinem Roman den Zwiespalt zwischen Gut und Böse, der in jeglicher Menschenbrust vorhanden sei, symbolisieren wollen, so läßt das Buch hiervon garnichts, aber auch garnichts erkennen. Was ich hier sagte, verrät bereits den Grundfehler des seltsamen Werkes: es ermangelt der Klarheit. Man verstehe mich recht, man unterschiebe mir nicht ohne weiteres, das ich etwa Seichtigkeit, alltägliche Flachheit forderte. Ich weiß sehr wohl, daß tiefe Gedanken nicht immer in Helle durchsichtige Form zu kleiden sind, daß eine ernste Dichtung gespanntere Aufmerksamkeit für sich verlangen darf, als man etwa einer Verdauungslektüre entgegenbringt. Aber es ist unter allen Umständen nötig, daß der Dichter seine Gedanken mit Klarheit zu Ende führe; wenn dies Ende ein Rätsel ist — und tiefstes Denken stößt immer auf das Rätselhafte — so muß eben dieses Rätsel klar als solches hingestellt werden. Und solche Klarheitsforderung gilt auch für das Märchen und da erst recht. Der äußeren Phantastik und Willkür hat innere Notwendigkeit, psychologische Klarheit gegenüber zu stehen. Gegen all die tiefblaue Mystik, die uns heutzutage verzapft und angepriesen wird, hege ich die schwersten Zweifel; sie erscheint mir zumeist als eine widrige Mischung von Mystifikation und Denkfaulheit. Ganz so schlimm liegt nun Jacobowskis Fall keineswegs. Er wurde durch seinen Stoff ins Unklare gestoßen. Für den ganz modernen Gedankeninhalt wählte er den nordischen Göttermythus zum Gefäß. Daß er hierbei die Tatsachen der Edda arg durcheinander