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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 191

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Ludwig Jacobowski
Date
1909-01-01
Page
191 (sequence 12)
Language
German
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191 krankt dort. Helene sieht sich verlassen, ihre Briefe werden nicht beantwortet. Im Elternhaus Peinigt inan die Unglückliche, die ein Kindchen erwartet; da geht sie in's Wasser. Als Leo nach seiner Genesung ihren Selbstmord erfährt, erschießt er sich. Helenens letzte Briefe ausgenommen, die in ihrer Schlichtheit und tiefen Not den lyrischen Dichter verraten, ist die Erzählung meist trivial und immer peinlich. Doch was hat das alles mit der deutschen Judenfrage zu tun? Nun, Leo Wolf ist Jude. Und Helene wird zu Haus besonders deshalb gepeinigt, weil ihr Geliebter ein Jude ist, und wird von Leo deshalb gequält, weil sie zu Haus sein Judentum verhöhnen läßt. Und dann bringt eine Berliner Zeitung nach der Katastrophe die folgende Notiz: „Wie wir aus genauester Quelle wissen, hatte das junge Mädchen Beziehungen zu einem jüdischen (natürlich!) Studenten, der plötzlich abreiste, als sich Folgen ihres Verkehrs bemerkbar machten. Um der Schande zu entgehen, hat das arme Mädchen den Tod in den Wellen gesucht. Dieser „Ehrenmann" ist der Sohn jenes Bankiers W. in G., der vor Monaten den Zusammenbruch eines Aktienunternehmens verschuldet haben soll. Wieder ein neues Beispiel von der Korruption unserer Zustände durch die Juden! Die Alten betrügen den biederen braven Michel, und die Jungen verführen seine Töchter! Schläfst du noch immer, guter Michel? Wach auf!!!" Konnte wohl die Verknüpfung zwischen der eigentlichen Handlung und dem „jüdischen Thema" eine oberflächlichere sein? Und hat nicht der Dichter, der einen Stamm in einer Person verkörpern will — hat er nicht die Pflicht, diese stellvertretende Person nun auch wirklich mit den typischen Eigenschaften des Stammes auszustatten? Wo sind aber beiLeoWolf's Hauptbetätigung im Guten wie im Bösen die typisch jüdischen Eigenschaften? Noch einmal, Leo Wolf betätigt in seinem Verhalten gegen Helene im wesentlichsten gar keine Eigenschaften, er zeigt sich nur als völliger Schwächling. Dagegen hat Jacobowski seinen Helden in Nebensachen allerdings spezifisch „jüdisch" handeln lassen. Hier ist

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