Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Ludwig Jacobowski
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 187 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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187 sich deutsches Wissen aueignete und später einnial in deutscher Kunst und Wissenschaft seinen Mann stand. Er wollte auch ganz besonders der tapfere Deutsche sein. Und weil ihm zu kriegerischen Heldentaten jede Gelegenheit fehlte, so mußte er sich des studentischen Heroisnms befleißigen und als Burschenschafter auf der Kneipe wie auf dem Fechtboden glänzen. Ich will mich hier beileibe nicht über die Gepflogenheiten der deutschen Verbindungsstudenten sittlich entrüsten. Kommentmäßiges Trinken und Mensuren-Schlagen ist doch schließlich nur ein Spiel. Freilich kein sehr veredelndes und vor alleni eines, zu dem robuste Gesundheit nötig ist. Wen's aber freut . . . (Etwas anderes, sehr anderes ist es, wenn diese Vereinigungen zu fröhlichem Spiel, nicht aus Freude am Spiel, sondern der zukunftsvollen „Konnexionen" halber aufgesucht werden. Doch gehört dies häßliche Thema glücklicherweise nicht in diesen Zusammenhang.) -Nun fragt es sich: konnte Ludwig Jacobowski wirklich aus harmloser Freude an solchem Tun Verbindungsstudent werden? konnte der junge Grübler und Dichter, der leidenschaftliche Arbeiter naive Freude am Kommersieren haben, konnte der gebrechliche Mensch mit den feinfühligen Nerven beim Fechten und Mensuren-Schlagen wahrhaftig Genuß empfinden? Doch wohl ganz bestimmt nicht. Und wenn er's trotzdem tat und in Prosa und Vers verherrlichte — log er dann nicht, ich meine, belog er sich dann nicht selbst? Sicherlich war es eine Lüge aus edlem Grunde. Er wollte eben durchaus deutsch sein und in dieser krampfigen Bemühung verwechselte er Deutschheit — die trug er tiefinnen und betätigte sie in seinen Versen, nicht durch geleerte Schoppen und geschwungene Hieber — mit Deutschtümelei und entstellte jene durch diese. Ich komme um den Vergleich nicht herum: ein jüdischer Börsianer, der sein deutsches Wesen beweist, indenr er Gelder für irgend einen Kirchenbau stiftet, tut im Grunde nichts anderes, als Ludwig Jacobowski mit feinen Lobpreisungen des deutschen Verbindungswesens tat. Doch, wie gesagt: er belog vor allem sich selbst. Er handelte in seinen Erzählungen und Versen bis zuletzt mit einem gewaltsamen