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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 186

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Ludwig Jacobowski
Date
1909-01-01
Page
186 (sequence 7)
Language
German
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186 wohl nicht eigentlich als origineller Denker und selbstständiger Forscher sondern nur, wie gesagt, als Sammler eines möglichst umfassenden Rüstzeugs. Und ich will sein der Zeit ein Sohn Und lauschen dem Gewitterton; Das Ohr am Fieberherz der Zeit So will ich liegen in Ewigkeit. Auch diese Verse sind früh entstanden. Und ist es nicht bezeichnend für diese Zeit, was ihr „Sohn" an Geistigem in sich aufzunehmen bestrebt ist, eben um ihr ein rechter Sohn zu sein? Psychologie, historische Erkenntnis, Naturwissenschaft — und keines für sich, jedes vom andern durchdrungen und erhoben.- Daß sich ein junger jüdischer Student, dessen Angehörige darben, mit' Heißhunger und brennendem Ehrgeiz auf die Wissenschaft stürzt, ist selbstverständlich. Ich betone das „jüdisch". Es ist ja eine so merkwürdige Sache um den Ehrgeiz des ärmeren Juden. Es ist ein fanatischer Ehrgeiz, weil es ein dreifacher ist. Zu dem „Ich will etwas erreichen" des gewöhnlichen Sterblichen tritt einmal das solidarische: „Wir müssen etwas erreichen." (Je ärmer und östlicher, je solidarischer!) Und dann als weitere Steigerung: „Wissenschaft ist meine beste Waffe zum Erreichen, wohl meine einzige. Andere können sich auf ihren Adel, ihre körperlichen Vorzüge, ihre hohen Verbindungen stützen. Ich nur aus mein Wissen. Also lernen." (Oder den Sohn lernen lassen. Der wird erst recht streben, wenn er weiß, wie der Vater für ihn gedarbt hat). So erkläre ich mir den jüdischen Ehrgeiz aus wissenschaftlichem Gebiet. Aber seltsam: Ludwig Jacobowski gab sich mit diesem geistigen Ehrgeiz nicht zufrieden. Er besaß neben seinem tiefen jüdischen Empfinden einen begeisterten Patriotismus. Er wußte, was er Deutschland verdankte: die edelste Muttersprache, die höchsten Geistesschätze. Dazu kam seine Bewunderung für das tapfere Volk, das sich soeben im blutigen Krieg bewährt hatte. Und diese Bewunderung leitete ihn auf einen — ich möchte sagen: tragikomischen Weg. Er wollte gut deutsch sein, nicht blos, indem er

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