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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 185

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Ludwig Jacobowski
Date
1909-01-01
Page
185 (sequence 6)
Language
German
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185 Psychologie will er ganz besonders betrieben wissen; d. h. nicht nur vom philosophischen Standpunkt aus, sondern auch stark naturwissenschaftlich. Eine rein naturwissenschaftliche Methode verfolgt er in seiner kleinen Schrift: „Die Anfänge der Poesie; Grundlegung einer realistischen Entwicklungsgeschichte der Poesie (1890)." Das Büchlein ist nichts weniger als schön geschrieben; der junge Mensch prunkt noch mit seiner eben erworbenen Gelehrsamkeit, gebraucht lieber zwei lateinische Ausdrücke als einen deutschen und sagt manches gesucht „wissenschaftlich", was sich bedeutend einfacher schreiben ließe. Auch ist er mit großen Folgerungen jugendlich leicht bei der Hand. Aber man sieht, wieviel er studiert und nachgedacht hat. Er geht auf die ersten Lust- und Unlustrufe der primitiven Menschen zurück, untersucht diese „Urpoesie" auf ihren Inhalt — erotisches Begehren, Lust an Schall- und Lichtempfindungen rc. — vertieft sich in das Wesen des Rhytmus, sucht auch die Anfänge der Epik und des Dramas bloszulegen. Nirgends ist er eigentlich originell, überall fleißig, gründlich, wohl bewandert. Das Thema der primitiven Poesien beschäftigt ihn auch sonst häufig. R. Steiner nennt eine ganze Reihe von Aufsätzen, die Jacobowski an verschiedenen Orten hierüber veröffentlichte. Von seinen historischen und nationalökonomischen Studien legt endlich das ausführliche Buch „Der christliche Staat" (1894) Zeugnis ab. Hier ist das reiche Wissen stilistisch viel besser verwertet als in dem vorgenannten Heft; man wird dies Buch nicht ohne Genuß und Belehrung lesen. Jacobowski sucht den Nachweis zu führen, daß der christliche Staat eine überlebte Jnstitutition sei. „Sowohl die Vereinigung von Politik und Religion, die es darstellt, als auch seine christlich inspirierten Institutionen sind verhängnisvolle Jrrtümer, und seine praktische Ethik hat bis jetzt auch nicht einer modernen Anschauung entsprochen." Dem negativen ersten Teil folgt ein zweiter, der die verschiedenen Zukunftsmöglichkeiten wägend durchspricht. Den Schluß bildet naturgemäß ein Fragezeichen. Auch hier zeigt sich Jacobowski

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