Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Ludwig Jacobowski
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 182 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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— 182 heraus, möchte beides Vereinen und kann es nicht. Den Juden ist er zu deutsch, den Deutschen zu jüdisch. Das mag Wohl der. Hauptgrund sein zu jenem Aphorismus von der Heimatluft, den ich zum Motto nahm. Doch Ludwig Jacobowskis Heimatlosigkeit ist eine mehrfache. Er liebt die Armen und Bedrückten, denn er weiß ja, was es heißt, arm und bedrückt zu sein; aber der Sozialist, der für das elende Volk Partei nimmt, ist ein schönheitsdurstiger Dichter, ein Geistesaristokrat. Auch das macht in gewissem Sinne heimatlos. Und endlich: Ludwig Jacobowski ist nicht nur auf Erden heimatlos; er ist es auch im Himmel. Er ist ein Dichter — also kann er nicht ohne religiöses Gefühl sein. Ganz unmöglich kann er das. Glüht ihnr nicht plötzlich ein leuchtender Gedanke, ein schöpferisches Gefühl auf, hämmert ihn nicht unversehens ein wuchtiger Rhythmus wahrhaft körperlich Wider Schläfen und Fingerspitzen? Wo kam das her? Von Gott — sagt sich der religiös erzogene Knabe. Aus meinem Nervenzentrum durch irgendwelche Hirnfunktionen — erwidert sich der eifrige Student, der an die moderne Naturwissenschaft hingegeben ist. Und der junge Denker sagt sich wohl, daß er im letzten Grunde mit „Gott" und „Hirnfunktion" nur Worte getauscht hat, während das Rätsel ewig Rätsel bleibt und das Wunder ewig Wunder. Aber die Seele ist darüber im alten Himmel heimatlos geworden und muß nun suchen und tasten . . . Heimatlos war Ludwig Jacobowski in mehrfachem Linn, heimatlos und zerrissen. Wie hätte er da ein größeres Werk in klarer Einheitlichkeit mit wirklich reifer Kunst schreiben sollen? Gewiß, ein kurzes Gedicht, aus einer Stimmung entstanden, nur einer Stimmung geltend — das konnte ihm häusig gelingen. Aber wie hätte er ein Weltbild malen sollen, einen Kosmos — und das war sein Wunsch und Bestreben — solange in ihm selbst noch das Chaos gärte? Vielleicht, ja ich glaube: sicher hätte er sich geklärt und in späteren Jahren seine Sehnsucht gestillt. Ich glaube das, weil ich aus seinen Werken sehr hohe dichterische Begabung und das heiße