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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 181

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Ludwig Jacobowski
Date
1909-01-01
Page
181 (sequence 2)
Language
German
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181 Und dennoch war Ludwig Jacobowski ein wirklicher und reicher Dichter. Nur daß sein Leben zu Ende war, ehe er reife Früchte ernten konnte. Und dies allein ist das furchtbar Tragische an seinem frühen Tod. Auch Schubert und Georg Büchner mußten ja zeitig scheiden. Aber doch erst, nachdem sie Großes und Ganzes gegeben. Das war Jacobowski nicht vergönnt: ihn riß der Tod wahrhaft mitten aus der Bahn, weitab von jeglicher Zielsäule. Man wird mir vielleicht einwenden, dreiunddreißig Jahre seien gar nicht so erschreckend wenig, und hätte Jacobowski wirklich das Zeug zum bedeutenden Dichter in sich gehabt, so dürfte es ihm auch nicht an Zeit gefehlt haben zu vollendeteren Leistungen. Und diesen Einwand wird man stützen eben durch den Hinweis auf Schuberts Liederfülle und Büchners „Danton", und auf die „Räuber" und den „Götz", die auch von sehr jugendlichen Verfassern staqnnen. Ja — aber zwischen diesen glücklicheren Großen und Ludwig Jacobowski ist ein Unterschied, der gar nichts mit dem Umfang der eigentlichen Begabung zu tun hat. Ein entscheidender Unterschied, der unmittelbar zum Kernpunkt dieser Ausführungen leitet. Jene jugendlichen Großen schufen aus einem einheitlichen Gefühl heraus oder richtiger — das Paradoxon ist nur ein scheinbares — aus einem einheitlichen Zwiespalt. Jugendliches Liebessehnen, Abkehr von der schalen Gegenwart zur romantischen Märchenferne bestimmen Schubert; jugendlich loderndes Freiheitsverlangen, mächtiger Haß gegen ihr sklavisches Säculum treiben die Dichter des „Götz", der „Räuber", des „Danton", der „Lieder eines Lebendigen" usw. usw. Diese schöpferische Jugend führt ein einfaches Seelenleben; sie hat ein mehr oder minder klares aber doch einheitliches Ideal, für das sie dichtet und durch das sie dichtet. Wie ganz anders sieht es in Ludwig Jacobowskis Seele aus! Die ist qualvoll zerrissen, ist bitterlich heimatlos. Da ist der erste große Zwiespalt: er ist ein Jude und doch auch ein Deutscher. Ist beides aus innerem Gefühl

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