Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Ludwig Jacobowski
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 180 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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■hisbh iacobow^ki. von Victor Klemperer. (Heimatlust macht gesund! Wieso wissen Sie das? Weil ich keine Heimat habe." Aus Ludwig Jacobowskis „Stumme Welt.") Sm Marie Ebner Eschenbachs schöner Novelle: „Ein f Spätgeborener" wird bem weltabg ekehrten unmodernen Dramatiker Andreas Muth die Aufforderung zuteil, seuilletonistische Arbeiten für ein angesehenes Blatt zu schreiben. Als er das aus sehr ideologischen Gründen ablehnt, meint der Redakteur in plötzlichem Einfall: „Sie selbst sind Stoff und sollen verarbeitet werden." Und diese „Verarbeitung" geschieht denn auch in einem Artikel über „Originale". — „Sie sind Stoff und sollen verarbeitet werden." Wieder und wieder drängte sich mir das harte Wort auf, als ich in Ludwig Jacobowskis Werken las. Eine Reihe lyrischer Poesien und eine einzige Novelle („Der kluge Scheikh") ausgenommen, vermag ich diesen Werken keine unmittelbare starke Bedeutung beizumessen; sie sind alle reich an schönen Einzelheiten, doch sind sie auch alle in Form und Inhalt unvollendet. Aber „Stoff" sind sie, kulturhistorischer Stoff. Und zwar weniger durch das, was ihr Dichter mit bewußter Absicht an kulturhistorischen Momenten in sie hineinlegte, als durch den unbewußten Ausfluß seines Wesens. Wenn in späterer Zeit wieder einmal ein Gustav Freytag ersteht, so könnte er für seine neuen Bilder aus der Deutschen Vergangenheit ein wertvolles Kapitel überschreiben: Ludwig Jacobowski, ein deutscher Jude nach dem siebziger Kriege.