Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 175 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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— 175 Fällen jüngere Gelehrte sich gegenseitig ehrenwörtlich verpflichten würden: „Keiner von uns soll eine Professur an einer Hochschule annehmen, ehe nicht der dem Greifenalter sich nähernde anerkannte Meister in unserem Fache eine seinen Leistungen entsprechende Lebensstellung erhalten hat"? Doch — das ist ja Unsinn; das gibt es ja nicht, namentlich in unserer „praktischen" Zeit. . . Die einzige Stelle, die man ihm anbot, war die eines Lehrers der arabischen Sprache an der Wiener Akademie für orientalische Sprachen, also immerhin ein Posten, der, wenn auch nicht seinen sabäistischen Leistungen, so doch seinen arabischen Kenntnissen entsprochen hätte. Aber die materiellen Bedingungen, die man ihm stellte, waren derart ungünstig, daß es zum Mindesten begreiflich ist, daß er ablehnte. Bedauerlich bleibt es ja wohl; vor Nahrungssorgen wäre er wenigstens leidlich verschont geblieben. Aber er war nun einmal so: Ein Eichenstamm, der nur gebrochen, aber nicht gebogen werden konnte. — Wenn es ihm wenigstens gelungen wäre, seine Existenz auf andere Weise sicher zu stellen: Außer den Objekten, die er, wie wir sahen, zu günstigen Preisen veräußern konnte, hatte er aus Arabien Abklatsche — die denkbar zuverlässigsten, weil auf mechanischem Wege gefertigten, Kopien — von etwa 1000 bisher unbekannten Inschriften mitgebracht. Er glaubte hoffen zu dürfen — wenn er auch selbstverständlich keinen juristischen Anspruch darauf hatte — daß man ihm dieses Material zu einem Preise abkaufen werde, der einerseits dem gewaltigen wissenschaftlichen Werte, andererseits den von ihm persönlich dafür gebrachten enormen Opfern einigermaßen entsprechen würde. Aber auch dies gelang ihm nicht; statt dessen unternahm man in seinem Vaterlande Oesterreich, auf den Rat eines in Italien in den Grafenstand erhobenen Schweden, unter enormen Kosten eine neue Expedition nach Südarabien, wenigstens teilweise zu dem Zwecke, um das, was Glaser bereits gefunden, ohne ihn (man kann wohl sagen: gegen ihn) nochmals zu finden. Um